Magdeburg l Schneebedeckte Laufbahn statt grüner Rasen, grauer Himmel statt Hellblau bis zum Horizont, dicker Trainingsanzug statt Shorts und ein Temperatursturz von 30 Grad - das Kontrastprogramm nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in Potchefstroom/Südafrika ist schon heftig. Das erfordert auch und gerade von Thomas Schneider besondere Vorsichtsmaßnahmen. Denn eines kann der Vizemeister des Vorjahres über 400 Meter jetzt gar nicht gebrauchen: einen Infekt.

Ein solcher hat ihm nur allzu oft in der Vergangenheit einen Strich durch die Rechnungen gemacht. Der 26-Jährige weiß also, dass mit einem Schlag all das einstürzen würde, was er sich im Training der letzten dreieinhalb Wochen hart erarbeitet und aufgebaut hat. Zumal es dort, in der Wärme Südafrikas und einer 400-Meter-Rundbahn aus raspelkurz geschnittenem Gras, "für alle super gelaufen ist" und die Bedingungen "rundherum top waren und jeder von uns voll und störungsfrei im Training durchziehen konnte". Alle und jeder, das sind in diesem Fall die SCM-Teamkollegen Janin Lindenberg, Varg Königsmark, Eric Krüger und Matthias Lindner, dazu kam noch Staffel-Kollege Jonas Plass vom asics Team Wendelstein. Sie alle eint ein Ziel: Die Weltmeisterschaften im August in Peking.

Den Hut für die genannten Athleten hatte Marco Kleinsteuber auf. Der Magdeburger, der seit Beginn des Jahres vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) zum Bundestrainer für die männlichen A- und B-Kader über 400 Meter befördert worden ist, trägt auch Mitverantwortung dafür, dass die Langsprinter in der vorolympischen Saison einen neuen Weg eingeschlagen haben. Kern des Ganzen ist ein Verzicht auf die Hallensaison, stattdessen erfolgt über die Wintermonate hinweg ein langfristiger Aufbau für die Freiluftsaison. Das beinhaltet zwei mehrwöchige Trainingslager in warmen Gefilden. Dem gerade zu Ende gegangenen Lehrgang in Südafrika soll im April ein fünfwöchiger Aufenthalt der Athleten aus dem DLV-Staffelpool in den USA folgen.

"Das neue Konzept ist mit uns Athleten abgesprochen. Und ich gehe da auch voll mit, dass der Aufbau ganz in Ruhe und langfristig vonstatten geht. So haben wir mehr Zeit für die wesentlichen Dinge", erklärt Schneider. Der Fokus ist also "voll und ganz" auf die Freiluftsaison gerichtet, und die beginne nun mal recht früh. "Im konkreten Fall bedeutet das für uns Viertelmeiler nämlich, dass wir Mitte April schon in Top-Form sein müssen."

Aus gutem Grund, denn mit den Staffel-WM auf den Bahamas steht Anfang Mai der erste wichtige Wettkampf an. Und für diesen gilt es sich für Schneider Co. zu empfehlen. Denn hier, bei der WM, werden bereits die Weichen für Olympia 2016 gestellt. Die Plätze eins bis acht wären gleichbedeutend mit dem Rio-Ticket. "Und in Rio wollen wir, will ich mit der Staffel unbedingt dabei sein", so der EM-Dritte Schneider, der so etwas wie der "Dauerbrenner" ist. Als einziger Athlet war er bei allen 13 Rennen der vergangenen fünf Jahre Mitglied des deutschen 4x400-Meter-Quartetts - meist als Schlussläufer, wegen seines unwiderstehlichen Endspurts.

Das "gewisse Etwas" soll dem im brandenburgischen Forst geborenen Langsprinter im Sommer nicht nur mit der Staffel, sondern endlich auch einmal in einem wichtigen Einzel-Rennen zum Erfolg verhelfen. Bestenfalls natürlich bei der WM. Die 400-Meter-Norm wurde vom DLV bei 45,35 Sekunden festgelegt. Schneiders Bestzeit aus dem Jahr 2011 ist 45,56 Sekunden. "Die geforderte Norm ist in den letzten Jahren zwar keiner mehr von uns gelaufen", weiß der Sportsoldat. "Dennoch halte ich die Zeit für machbar - zwar nicht im Vorbeigehen, wohl aber, wenn alles passt."