Magdeburg l Ali Ghardooni könnte die ganze Welt umarmen, denn endlich ist der Behindertensportler vom SC Magdeburg am Ziel seiner Träume angekommen: "Fast elf Jahre habe ich darauf gewartet, jetzt habe es geschafft. Ich bin sehr glücklich und kann mich nur bei allen bedanken, die in der Zeit zu mir gestanden und mir geholfen haben."

Wer jetzt an eine besondere sportliche Auszeichnung, eine Medaille, Qualifikation oder einen Pokal denkt, denen der 35-Jährige unermüdlich nachgeeifert hat, der irrt. Das alles hat der zweifache Paralympic-Starter für Deutschland und Ex-Weltmeister im Diskuswurf bereits erreicht. Sein langer Kampf galt vielmehr einer Urkunde: Am morgigen Donnerstag wird er sie endlich in seinen Händen halten. Und dann ist der gebürtige Iraner Alireza Kardooni ganz offiziell deutscher Staatsbürger.

"Zugegeben, das war ein steiniger Weg und ich habe nichts geschenkt bekommen. Aber Ende gut, alles gut - es war richtig, dass ich nie aufgegeben habe, denn es war mein gutes Recht, nach so langer Zeit die Einbürgerung zu erhalten", erklärt der inzwischen zu den SCM-Kanuten gewechselte Athlet mit Verweis auf eine, wie er es ausdrückt, "Bilderbuch-Integration". Vor gut elf Jahren verließ er den Iran, um in Deutschland heimisch zu werden und sich den Traum von eine Teilnahme an den Paralympics zu erfüllen. In Magdeburg gelandet, tat Ghardooni seitdem "alles, um mich zu integrieren". Er lernte die Sprache, schloss eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation ab, machte seinen Führerschein. Auch sportlich lief es für den damaligen Diskuswerfer rund. Dem WM-Gold 2009 folgte Bronze 2011. Auch bei den Paralympics 2008 in Peking und 2012 in London ging er für Deutschland ins Rennen - jeweils immer mit vorläufigem deutschen Pass.

Richtig Bewegung in den sportpolitischen "Fall Ghardooni" kam aber erst, als er endlich auch einen iranischen Pass vorweisen konnte. Das war vor gut einem halben Jahr. Seitdem ist viel passiert. Sehr viel Gutes. Die Kanuten des SCM, zu denen er gewechselt ist, weil Diskuswurf in seiner Schadensklasse aus dem Para-Programm für die Spiele in Rio geflogen ist, hätten ihn mit offenen Armen empfangen. "Ich gehöre einfach dazu, das ist ein schönes Gefühl", so der Magdeburger, für den im April die Qualifikation für die EM ansteht.

Das Beste, was ihm beruflich passieren konnte, sei gewesen, dass er in der Hochschule Magdeburg-Stendal einen "Top-Arbeitgeber" und seit 1. Dezember im Rektorat und Prorektorat ein "Top-Kollegenteam" gefunden habe: "Alle unterstützen mich mit Rat und Tat, und ich komme sehr gerne zur Arbeit." Hier habe er das Gefühl, weder "Geduldeter" noch ein "Quoten-Behinderter" zu sein. "Ich werde gebraucht, leiste etwas für die Gesellschaft und verdiene als Sekretär meine Brötchen selbst - das zählt für mich persönlich mehr als jede Urkunde."