Stuttgart (dpa) l Mit kollektiven Unschuldsbeteuerungen hat die Fußballbranche auf den brisanten Dopingbericht und die Forderungen nach schneller Aufklärung der jahrzehntealten Vorgänge reagiert. Nachdem erstmals der deutsche Fußball mit systematischem Doping in Verbindung gebracht wurde, meldete sich sogar Bundestrainer Joachim Löw zu Wort. "Doping hat im Sport nichts verloren, ich lehne es absolut ab, das galt für mich als Spieler genauso wie es heute als Bundestrainer immer noch gilt", sagte Löw.

Zuvor waren ausgerechnet Löws Ex-Clubs VfB Stuttgart und SC Freiburg durch die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin genauso wie der skandalerprobte Bund Deutscher Radfahrer schwer belastet worden. Umfangreiche Dopingpraktiken mit anabolen Steroiden soll es unter Anleitung des Sportmediziners Armin Klümper gegeben haben. Anschuldigungen, die Ex-Nationaltorhüter Harald Schumacher in ähnlicher Form 1987 schon in seinem Buch "Anpfiff" niedergeschrieben hatte und dafür abgestraft worden war. 30 Jahre später erscheinen seine Aussagen im anderen Licht.

Die Experten fordern eine Aufklärung des Falls. "Es ist ein Volkssport, der wichtigste Sport in Deutschland, und da kann man sich nicht erlauben, dass etwas ungeklärt bleibt", sagte der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel im ZDF-Morgenmagazin.

Laut Untersuchungsbericht sagte Kommissionsmitglied Andreas Singler gegenüber "Bild": "Klümper schickte die Präparate an den Masseur oder ließ sie dorthin schicken. In Stuttgart bezahlte der Verein die Rechnung. Das Anabolika-Mittel wurde auch mindestens in einem Fall nachbestellt. Damit ist bewiesen: Es gab Anabolika im deutschen Fußball."

Singler hatte den Skandal ins Rollen gebracht, indem er die Zusammenfassung eigenmächtig publik machte und anschließend zurücktrat.

Die frühere BDR-Präsidentin Sylvia Schenk zeigte sich nicht allzu verwundert über die Vorwürfe. Auch während ihrer Zeit als Verbandschefin von 2001 bis 2004 habe sie eine gewisse Mentalität vorgefunden: "Ich habe lange Zeit den Eindruck gehabt: Entweder ist da nichts, oder es wird vor mir verborgen gehalten. Als ich etwas Greifbares hatte und es nicht mehr zu leugnen war, hat man mich auflaufen lassen, und dann war ich weg."