Zerbst l "Gerdau ist zurück." So könnte die Schlagzeile über dem ersten Spiel des Champions-League-Finalturniers im Classic-Kegeln im bayerischen Straubing heißen. Denn im wahrsten Sinne des Wortes ist Marcus Gerdau auf die internationale Bühne seiner Sportart zurückgekehrt. Mit seinem SKV Rot-Weiß Zerbst will er sich am Wochenende zum zweiten Mal nach 2010 die Krone im Classic-Kegeln aufsetzen.

Der Weg zurück in die Spitze war für den 40-Jährigen nicht leicht. Vor knapp drei Jahren schien seine Karriere auf höchstem Niveau plötzlich beendet. Der oftmalige deutscher Meister, Weltpokalsieger und auch Champions-League-Sieger spielte nur noch auf Landesebene in Sachsen-Anhalt. Immerhin: Auch in der Verbandsliga beim TuS Leitzkau wurde er sowohl mit dem Team als auch im Einzel Landesmeister.

"Ich wollte es noch einmal wissen, meinen sportlichen Weg nicht so beenden", berichtet der Familienvater über seine Rückkehr nach Zerbst im vergangenen Jahr. Die "Wartezeit" in der zweiten Zerbster Mannschaft, in der er vorerst eingesetzt wurde, war für den Ausnahmeathleten schon lang und "ungewöhnlich". "Ich dachte, der Sprung zurück ins Top-Team würde schneller gehen. Aber ich musste mich erst mit Leistungen empfehlen und an anderen Spielern vorbeischieben."

Der Zerbster zweifelte lange Zeit an seinen Fähigkeiten. "Doch dann hat es irgendwie schlagartig funktioniert. Ich kann gar nicht sagen, was ich jetzt anders mache, habe einfach wieder ein gutes Gefühl. Jetzt fehlen nur noch die Konstanz und Sicherheit, die mit immer mehr Selbstvertrauen zurückkommen", blickt Gerdau zurück, der als Immobilien-Kaufmann bei einer Wohnungs- und Eigentumsverwaltung seine Brötchen verdient.

"Und dann war das Pech meines Team-Kollegen (Axel Schondelmaier verletzte sich/d. Red.) ein wenig mein Glück", meinte er. Und tatsächlich nutzte der Vollblut-Kegler die Chance mit starken Ergebnissen sowohl in Zerbst, als auch auf den Auswärtsbahnen und spielte sich ins Top-Team des SKV zurück. Ob Gerdau am Sonnabend im Champions-League-Halbfinale in Straubing gegen KK Belgrad eingesetzt wird, ist noch offen. "Das entscheidet unser Kapitän", ist sich Gerdau seiner Sache noch nicht ganz sicher. "Schließlich haben die Jungs ohne mich ja schon im Punktspiel auf dieser speziellen Bahn Top-Ergebnisse gespielt."

Fragt man Gerdau nach seinen Zielen, steht momentan natürlich die Champions League im Fokus: "Das wird da super eng auf höchstem Niveau. Da müssen wir mit riesigen Ergebnissen umgehen können. Die vier Teams, die in Straubing am Start sind, sind mit Sicherheit die besten, die unser Kegelsport zu bieten hat. Es ist 100-prozentiger Einsatz gefragt. Wir müssen von Beginn an Vollgas geben und am Ende hilft hoffentlich der liebe Gott", meint er lächelnd.

Auch der Blick über das Wochenende hinaus ist aufschlussreich: "In der kommenden Saison will ich von Beginn an in Zerbst meine Leistungen bringen und mich im Team festspielen." Die Mannschafts-Weltmeisterschaft im Mai dieses Jahres kommt für den 40-Jährigen aber zu früh. "Ich habe gerade letzte Woche endgültig abgesagt. Ich bin zu lange und zu weit von der National-Mannschaft weg. Da fehlt einfach noch ein Stück, um an die Erfolge meines letzten Auftritts für Deutschland (Silber bei der WM in Dettenheim 2009/d. Red.) anknüpfen zu können. Und selbst 99 Prozent reichen mir nicht, dafür bin ich zu sehr Sportler."

Aber mit dem SKV hat Gerdau viel vor: "Ich gebe meine ganze Kraft dem Verein. Hier kann ich mit der Mannschaft große Erfolge erringen, auch auf internationalem Parkett. Da braucht es die volle Energie." Also: "Gerdau ist zurück", zumindest beim SKV und in der Champions League.