Berlin l Bernd Berkhahn lehnte sich zurück und blickte ungläubig zur Anzeigetafel. Dort stand es nun Gelb auf Schwarz. Und in seiner ersten Reaktion entfuhr dem Trainer nur ein kurzes "Uh", bevor er erst den Kopf schüttelte und dann ein Siegerlächeln aufsetzte: Sein Schützling Franziska Hentke hat bei den 127. deutschen Schwimm-Meisterschaften im Berliner Europasportpark nicht nur ihren Titel verteidigt über die 400 Meter Lagen, sie war am Donnerstag gleich mal zur WM-Norm geschwommen. In neuer Bestzeit. "Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet", sagten der Coach und sein "Schmetterling" vom SC Magdeburg unisono.

4:42,73 Minuten bedeuteten für die 25-Jährige aber nicht nur persönlichen Rekord und ersten Schritt zur Weltmeisterschaft in Kasan (Russland/24. Juli bis 9. August). "Diese Zeit", meinte Berkhahn erfreut, "lässt sich auch im internationalen Maßstab sehen". Dabei standen die Vorzeichen nach ihrem zuletzt fiebrigen Infekt gar nicht gut, zudem hatte Berkhahn das Lagen-Training erst in der letzten Woche intensiviert. Und trotz erreichter WM-Vorlaufnorm am Morgen fühlte sich Hentke auch gar nicht bereit für den Titel. "Solch eine Zeit nach diesen schlechten Wenden hätte ich nicht erwartet", so Berkhahn.

Hentke waren Wenden völlig egal. Sie wollte sich am Abend "mit einem Stück Schokolade belohnen", sagte sie. "Aber gefeiert wird erst am Sonntag, wenn alles vorbei ist". Und wenn auch die WM-Norm über die 200 Meter Schmetterling geknackt ist.

Die Norm über die Lagen-Distanz verpasste indes Finnia Wunram, allerdings war diese Zeit auch nicht der Anspruch der Freiwasser-Athletin. "Schade, dass es nicht zu Bronze für sie gereicht hat", so Berkhahn. Die 19-Jährige wurde in 4:45,72 Minuten und neuer Bestzeit Vierte.

Dafür sorgte am Auftakttag, an dem gleich fünf Männer und drei Frauen die WM-Norm erfüllten, die Freistilstaffel der Herren über 4x200 Meter für das zweite Magdeburger Edelmetall. Eric Reuß, Poul Zellmann, Marcus Herwig und Rob Muffels holten hinter Stadtwerke München (7:28,17) die Silbermedaille in 7:33,25 Minuten. Der 19-jährige Herwig war zugleich bester SCM-Mann des Tages: Über 1500 Meter sicherte er sich beim Sieg des Würzburgers Sören Meißner (15:04,93) den sechsten Platz in 15:42,04 Minuten und blieb nur eine halbe Sekunde über seiner Bestzeit. Zudem schwamm Emily Charlotte Feldvoss (14) bei ihrem neunten Rang über 800 Meter Freistil erstmals unter neun Minuten: 8:59,70. Es gewann Leonie Beck (Würzburg/8:27,37).