Zürich (dpa/SID/mh) l Mehrere FIFA-Funktionäre sind am frühen Morgen in der Schweiz festgenommen worden. Die FIFA hat sich in einer ersten Reaktion zu der Polizeiaktion in einem Züricher Hotel gegen Funktionäre des Fußball-Weltverbandes noch nicht zu den Vorwürfen äußern wollen.

Insgesamt soll es sich um sechs Spitzenfunktionäre handeln, darunter Jeffrey Webb, einer der Stellvertreter von FIFA-Präsident Joseph Blatter. Den FIFA-Funktionären werde Betrug, Erpressung und Geldwäsche in Bezug auf WM-Vergaben und TV-Rechte vorgeworfen, berichtet die New York Times. Die Festgenommenen sollen Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen haben. Zu den weiteren Verdächtigen gehören Eugenio Figueredo, der brasilianische Spitzenfunktionär José Maria Marin und das designierte FIFA-Exko-Mitglied Eduardo Li aus Costa Rica

Die Festnahmen erfolgten auf Ersuchen der US-Behörden: "Der für den Bezirk Ost von New York zuständige Staatsanwalt ermittelt gegen diese Personen wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern und verdeckten Provisionen seit Beginn der 90-er Jahre bis heute." Insgesamt geht es um eine Summe von über 100 Millionen Dollar, die an Bestechungsgeldern geflossen sein sollen.

Blatter bleibt auf freiem Fuß


Die Polizeiaktion in dem Züricher Nobelhotel Bar au Lac sei auf Anfrage des US-Justizministeriums erfolgt. FIFA-Boss Joseph Blatter (79), der sich am Freitag zur Wiederwahl stellt, soll nicht zu den Beschuldigten gehören. Einziger Gegenkandidat des Schweizers, der in seine fünfte Amtszeit gehen will, ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien.

In einer Stellungnahme erklärten die Schweizer Bundesbehörden, dass die Festnahmen auf einem Ersuchen der US-Justizbehörde basieren. Die FIFA-Funktionäre befinden sich in Auslieferungshaft und sollen nun einer Anhörung unterzogen werden. Erklären sich die Festgenommenen mit einer sofortigen Auslieferung, können sie im vereinfachten Verfahren an die USA überstellt werden.

In Zürich soll am Donnerstag und Freitag der Kongress des Fußball-Weltverbandes stattfinden.