Magdeburg. Für den deutschen Formel-1-Piloten Timo Glock hat dieser Sir Richard Branson eine ganz besondere Bedeutung. Vor 41 Jahren hatte bei Branson alles mit einer Schallplattenproduktion begonnen. Inzwischen will der britische Milliardär Menschen zum Mond fliegen lassen. Für den Sammler von Hobbys der spektakulären Natur gehört seit dem vergangenen Jahr auch die Formel 1, und über allem schwebt der Name des Branson-Imperiums: Virgin.

Glock ist seit seinem Werksdebüt in Bahrain 2010 auch ein bisschen "Virgin", was man aus dem Englischen durchaus als "fabrikneu" übersetzen kann.

Glock fährt durchgängig seit 2007 in dieser Königsklasse mit. Und wenngleich er nie zum König gekürt wurde, nie einen Grand Prix-Sieg einfuhr, hatte er zwei fantastische Jahre bei Toyota (2008 und 2009), die er mit drei Podestplätzen insgesamt und mit jeweils Rang zehn im Gesamtklassment beendet hatte.

"Schade, dass Toyota ausgestiegen ist", sagt Glock. "Man darf nicht zu oft zurückschauen, das bringt nichts." Das klingt nach Wehmut.

Es ist ein sonniger Tag in Oschersleben, der 29-Jährige ist zu Gast in der Motorsport Arena, er ehrt Sieger des ADAC GT Masters Weekend.

"Hier war ich immer schnell, hier habe ich immer Spaß gehabt", sagt der gebürtige Lindenfelser aus dem Odenwald, Oschersleben war auch für ihn der Beginn seiner Karriere, neun Jahre ist es her, dass er siegreich in der Formel 3 durchs Land zog.

Heute ist er in der Formel 1 20. der Gesamtwertung, das macht ihn nicht glücklich, das erzählt besonders sein Blick. "Die Frage ist immer, wie viele erfahrene Leute dahinterstecken." Virgin hat sich ja verbessert im Umfeld, "zu 100 Prozent" vom ersten zum zweiten Jahr, sagt Glock. Nur in Sachen Auto, "hätten wir auch einen Schritt machen müssen". Das ist nicht passiert, "wir müssen die Fakten auf den Tisch bringen und entsprechend handeln". Speziell hinsichtlich der Dynamik "haben wir kein gutes Auto gebaut".

Das Saisonziel, im Mittelfeld gut mitzufahren, hat der holde Frühling nach drei Rennen begraben. Dabei gilt Glock als einer, der das Verhältnis von Wetter, Strecke und Auto auf den optimalen Nenner bringt. Was ihm im Schatten von Sebastian Vettel, von Michael Schumacher und derzeit auch von den anderen Deutschen bleibt, ist die einfache Erkenntnis, nur noch das Beste aus dieser Saison herausholen zu können, obschon er ein zu langsamer Begleiter bleiben wird. Am 8. Mai geht es in Istanbul weiter. Derweil wird Sir Branson vielleicht über ein neues Hobby nachdenken.