Von Janette Beck

Magdeburg/Leipzig. Mit markanten Typen, neuen Gesichtern und vor allem ansprechenden Leistungen will die deutsche Leichtathletik am Wochenende bei den nationalen Hallen-Titelkämpfen in Leipzig für "Feuer unterm Dach" sorgen. Heiß her wird es in einigen Disziplinen gehen, wo aufgrund vieler Ausfälle etablierter Athleten die Hierarchie neu geordnet wird oder aber auch die Tickets für die eine Woche später in Paris stattfindende Hallen-EM noch nicht verteilt sind.

Zu den Stars auf dem Leichtathletik-Laufsteg in der Messestadt zählen Sprint-Europameisterin Verena Sailer, Hürden-Ass Carolin Nytra, Weitsprung-Europarekordler Sebastian Bayer, Hochspringer Raul Spank und Stabartist Malte Mohr, der vor kurzem 5,86 Meter gemeistert hat.

Unter den 500 Teilnehmern geht auch eine Handvoll SCM-Asse mit Endkampfchancen in Leipzig an den Start. Die größten Chancen, einen Doppelschlag zu landen, sprich auf dem Medaillenpodest zu stehen und dazu noch das Ticket für die EM zu ergattern, haben 400-Meter-Läuferin Janin Lindenberg sowie SCM-Neuzugang Josephine Terlecki.

Letztere ist auch eine von insgesamt 29 Athleten des Deutschen Leichtathletikverbandes, die bereits die EM-Norm abgehakt haben. Mit der aktuellen Weite von 17,88 Metern nimmt die 24-Jährige in der aktuellen deutschen Bestenliste Rang zwei hinter Christina Schwanitz ein (18,68 m) ein. "Eine Medaille sollte schon das Ziel von Josie sein", setzt Trainer Klaus Schneider seinen Schützling unter Zugzwang. "Und wenn ihr mal richtig einer rausrutscht, kann sie sogar für eine Überraschung gut sein."

"Dass der Knoten platzt und endlich mal die 18-Meter-Schallmauer durchbrochen wird", hofft auch Nadine Kleinert. Die 35-jährige Titelverteidigerin, die die Hallensaison bewusst gestrichen hatte, um ihrem Körper eine längere Ruhephase zu gönnen, wird zur moralischen Unterstützung ihrer Trainingskollegin vor Ort sein.

Als Favoritin geht Janin Lindenberg ins Rennen um den Titel über 400 Meter. Die Staffel-Vize-Europameisterin konnte in dieser Hallensaison ihre persönliche Bestzeit auf 53,35 Sekunden drücken. Damit hat sie in der aktuellen Bestenliste rund eine Sekunde Vorsprung auf die Konkurrenz. Doch die 24-jährige Wahl-Magdeburgerin sieht das ganz und gar nicht als Ruhepolster, zumal auch 800-Meter-Spezialistin Claudia Hoffmann, Hallenmeisterin 2007 und 2009, gemeldet hat. "Nur weil der HSV Hamburg momentan Tabellenführer ist, wird er nicht automatisch Meister", zieht die bekennende SCM-Anhängerin den Vergleich zum Handball.

Doch nicht zuletzt weil der Schützling von Trainer Marko Kleinsteuber "sehr gut über den Winter gekommen" ist und die unmittelbare Vorbereitung bis auf eine kleine Erkältung störungsfrei lief, gibt sich Lindenberg, die das Staffelticket für Paris aufgrund einer Einladung des Silber-Quartetts von Budapest durch den Europäischen Verband bereits sicher in der Tasche hat, kämpferisch: "Wenn man Freiluftmeisterin ist, dann will man natürlich auch unterm Hallendach gut ausschauen."