Der goldene Glanz ist erst mal weg. Maria Riesch verließ mit zweimal Bronze das "tolle Erlebnis vor der eigenen Haustür", aber an die vielen Titelfeiern bei der Ski-WM 2009 und bei Olympia 2010 konnten die deutschen Alpinen um die entthronte Slalom-Weltmeisterin in der Heimat nicht anknüpfen.

Garmisch-Partenkirchen (dpa). Riesch verfehlte am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen als Vierte knapp das Podest, die Torlauf-Truppe hinter ihr enttäuschte bitterlich. Zum Abschluss blieb auch der ersehnte "Lucky Punch" von Felix Neureuther aus. Der wichtigste Slalom seiner Karriere war "verkorkst" – der 26-Jährige schied aus.

Danach folgte ein Trost-Marathon mit Schulterklopfen und Umarmungen. Zuschauer, Teamkollegen und Kontrahenten versuchten den zweimaligen Weltcup-Gewinner nach dem K.o. im zweiten Durchgang des WM-Slaloms aufzurichten – auch der Österreicher Reinfried Herbst, der ebenfalls im zweiten Lauf das Ziel nicht erreichte. "Der Herbstl ist zu mir hergekommen und hat zu mir gesagt: Du, wir zwei sind schon solche Trotteln und hat das eigentlich genau auf den Punkt gebracht", berichtete Neureuther geknickt.

Der Sieg ging an Jean-Baptiste Grange aus Frankreich. Es war der erste große Titel für den 26-Jährigen und der erste französische WM-Einzelsieg seit 29 Jahren. Grange gewann vor dem Schweden Jens Byggmark. Rang drei ging an den Italiener Manfred Mölgg.

Maria Riesch hatte sich neben dem Podest stehend am Vorabend schon im Kurpark von den jubelnden Fans verabschiedet – und zuvor beim Sieg von Marlies Schild (Österreich) vom letzten Goldtraum. Allerdings verhinderte nur die Doppel-Olympiasiegerin eine Nullnummer des Deutschen Skiverbandes (DSV) bei dem so wichtigen Wettkampf. Es reichte nur zu Rang zehn in der Nationenwertung, in Vancouver war man noch die Nummer 1.

"Ohne Maria wäre das Thema WM gar nicht mehr tragbar gewesen. Sie hat letztendlich die Medaillen gefahren und dafür gesorgt, dass man zeigt, dass deutsche Sportler ein gewisses Kämpfer-Image haben", sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der sich mehr gewünscht hatte und daher "natürlich nicht besonders begeistert" von der Gesamtbilanz war. "Das war hier eine Möglichkeit, uns zu präsentieren auf einer großen Bühne. Die Chance haben wir ausgelassen."

Riesch selbst, als Wettkämpferin und Werbe-Botschafterin im Dauereinsatz, gab sich trotz unerfüllten Goldtraums "auf jeden Fall positiv" – nach Krankheit, Kampf und ohne Klagen. "Ich habe das Beste draus gemacht", meinte die Medaillengewinnerin in Super-G und Abfahrt, die jetzt im Weltcup ihre erste Große Kristallkugel gewinnen möchte.

"Natürlich bin ich nicht besonders begeistert"

Dreimal Edelmetall hatte sich der DSV von den Garmischer Titelkämpfen, die eine gute Visitenkarte für die Olympia-Bewerbung waren, versprochen. Zwei wurden es. Dazu war der Verband mit einem vierten Platz im Slalom und einem fünften Rang im Riesentorlauf (Viktoria Rebensburg) zumindest in Schlagweite.

"Wir sind dran gewesen und haben trotzdem eine gute Perspektive für die Zukunft", meinte Maier zwei Jahre vor den nächsten Weltmeisterschaften in Schladming in Österreich. Dort hofft der Verband auf mehr gesundheitliches Glück, denn in Partenkirchen erwischte es alle Siegfahrerinnen. Positiv für den Weg nach Sotschi 2014: Riesch, Hölzl und Neureuther sind 26 Jahre alt – der Rest des Teams ist deutlich jünger.