Von Uwe Tiedemann

Magdeburg. Von nichts kommt nichts, sagt der Volksmund. Getreu diesem Motto hatte sich Heinz Baltus, umtriebiger Präsident des Magdeburger Galopprennvereins, zu einem eher ungewöhnlichen Schritt entschlossen, um die Popularität der hiesigen Veranstaltungen im Herrenkrug zu erhöhen. Und schon vor dem ersten Renntag am 16. April – insgesamt sind vier geplant, drei weitere sollen am 2. Juni (Himmelfahrt), 9. Juli und 27. August stattfinden – bleibt festzuhalten: Der Vorstoß hat sich allemal gelohnt.

Worum geht es? Weil die Trainer aus den "top ten" der Galopprennszene um Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt in der Vergangenheit immer einen großen Bogen gemacht hatten, war Baltus in die Offensive gegangen und hatte ihnen einen Brief geschrieben. Inhalt: Wenn schon die Trainer fernbleiben, so mögen sie doch bitte darüber nachdenken, zumindest ihre Pferde in Magdeburg starten zu lassen.

Baltus, der die Neuigkeit am Mittwoch bei der Jahreshauptversammlung verkündet hatte, meinte: "Ich habe den Trainern mitgeteilt, dass wir auf einem guten Weg sind, den Galopprennsport in Magdeburg salonfähig zu machen. Dazu gehört, dass wir das Preisgeld erhöht haben, dass wir für die finanzielle Abdeckung garantieren, dass wir über eine Anlage verfügen, die wie ,geleckt‘ aussieht und sich zu einem echten Schmuckstück entwickelt hat, dass Zugang zum VIP-Bereich besteht. Kurzum, dass der Stellenwert insgesamt deutlich erhöht wurde. Und siehe da: Fünf von insgesamt zehn Briefe wurden positiv beantwortet."

Der 58-jährige Bauunternehmer vielsagend: "Neue Besen können nur dann gut kehren, wenn man sie auch lässt."

Nun steht der Verein, der momentan über vier Trainer und 35 Pferde verfügt (davon 22 im Training), sogar vor einem "Luxusproblem", dass deutlich mehr Pferde, nämlich 152, für die sieben Rennen gemeldet haben als zugelassen sind (84). Selbst für den Höhepunkt, ein Ausgleich IV, sind es drei Vierbeiner zu viel. Eine Lösung zeichnet sich gegenwärtig noch nicht ab.

Bei allem Optimismus für die neue Saison (Volksstimme berichtete) gab es allerdings auch eine Hiobsbotschaft: So ist Magdeburg – wie die Clubs in Halle und Mülheim auch – nicht mehr Mitglied im Dachverband, dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen (DVR) und damit auch nicht mehr stimmberechtigt.

Der Grund: Das Direktorium mit seinem Sitz in Köln hat neue Kriterien festgelegt, verlangt nun pro Jahr ein Preisgeld von 250 000 Euro und mindestens 35 Rennen. Baltus kritisiert: "Der Trend geht offenbar dahin, dass wenige noch mehr Macht bekommen und der Rest alles nur noch ab- nicken soll."