Magdeburg/Leipzig. Joel Abati im Trikot des ambitionierten Handball-Ost-Clubs SC DHfK Leipzig auf Torejagd ... Was sich anhört wie ein PR-Gag, um Emotion, Motivation und Aufmerksamkeit vor der ab 21. Mai anstehenden Aufstiegsrelegation des Noch-Drittligisten hochzukochen, "ist kein Witz, sondern Spaß und Herausforderung zugleich", wie der Franzose und einstige Star des SC Magdeburg gestern gegenüber der Volksstimme erklärte.

Der Hintergrund: Die DHfK-Verantwortlichen wollen nichts dem Zufall überlassen, damit die junge Mannschaft um Kapitän Thomas Oehlrich die existenziell wichtigen Spiele gewinnt und den Aufstieg perfekt macht. Für die nötige Erfahrung, Routine und Abgeklärtheit im hitzigen Relegationskampf soll eben Abati sorgen. Und Ex-HSV-Keeper Goran Stojanovic (41), der ebenfalls kurzfristig ins Relegations-Boot geholt werden soll.

Abati verspricht den Sachsen bei ihrem ehrgeizigen "Unternehmen Aufstieg" tatkräftige Unterstützung: "Als mich mein Freund ,Kretzsche‘ (Stefan Kretzschmar, Aufsichtsratschef des Drittligisten / d. Red.) angerufen und gefragt hat, ob ich den Leipzigern helfen könnte, dass sie den Aufstieg schaffen, musste ich nicht lange überlegen. Ich liebe Handball und ich liebe Deutschland – und wenn ich dort gebraucht werde, ich auch Zeit habe und das Angebot passt, dann bin ich gern zur Stelle", so der Linkshänder, der zehn Jahre für den SCM die Kastanien aus dem Feuer geholt hatte, bevor er 2007 nach Montpellier zurückkehrte. Hier beendete Abati, der mit Frankreich Weltmeister, Europameister und Olympiasieger wurde, vor einem Jahr seine glorreiche Karriere.

Dass er trotz seiner inzwischen 41 Jahre bei den deutschen Erstligisten, zumindest als "Feuerwehrmann", noch immer hoch im Kurs steht, daraus machte Abati gestern kein Geheimnis: "Ich hatte zuletzt mehrere Anfragen, unter anderem auch von Flensburg und Hamburg, die aufgrund von Verletzungsausfällen bei mir angeklopft hatten. Aber längerfristige Sachen hätte ich wegen meines Politiker-Jobs ohnehin nicht machen können. Außerdem wäre ich vielleicht in die Verlegenheit gekommen, in der Champions League gegen Montpellier spielen zu müssen. Und ein Einsatz gegen den Verein, bei dem ich mittlerweile den Nachwuchs trainiere, wäre für mich tabu gewesen."

Beim Gastspiel in Leipzig sind solche Verwicklungen ausgeschlossen, glaubt Abati, der sich auf die erste Partie am nächsten Sonnabend bei der HSG Tarp/Wanderup, dem jetzigen Zweiten der dritten Liga Nord, "gut vorbereitet" hat. "Auch wenn ich seit gut einem Jahr nicht mehr im Spielbetrieb bin, ich stehe voll im Training und fühle mich stark. Dennoch werde ich aber ein paar Tage vorher anreisen und mit der Mannschaft mittrainieren." Auch danach bleibe er in Leipzig, um die möglichen Spiele gegen einen Zweitligisten abzusichern.

Zudem liebäugelt der Franzose natürlich mit einem Abstecher nach Magdeburg. "Ich habe mir zuletzt den Sieg des SCM gegen Kiel im Fernsehen angeschaut. Es war grandios, und sofort hatte ich Sehnsucht nach meiner alten Heimat. Ich bin und bleibe im Herzen eben immer ein Magdeburger."