Magdeburg/Halle. Ein dumpfer Schlag auf die breite Brust, eine Drehung um die eigene Achse, dann verlässt der Zwei-Kilo-Diskus die rechte Hand, fliegt und fliegt und fliegt – bis er schließlich bei 67,21 Meter einschlägt ...

"Schon bevor das Ding gelandet war, wusste ich, der liegt gut und ruhig in der Luft, der war weit. Das hat man eben im Gefühl", sagt Martin Wierig über seinen Super-Wurf von Halle, mit dem sich der 23-Jährige auf Rang drei der aktuellen Weltbestenliste katapultiert hat.

Vor dem Shootingstar der vergangenen Saison, die Wierig mit Platz sieben bei der EM krönte, sind momentan nur noch der Sieger des Halleschen Werfermeetings und aktuelle Weltmeister, Robert Harting (Berlin/68,99), sowie der Este Gerd Kanter (67,49) notiert. "... und dann komme ich schon. Wahnsinn! Dritter in der Welt, das hört sich echt geil an", konnte der aus Seehausen/Börde stammende Modellathlet vom SCM, nach dem Wettkampf wie der Hahn im Korb umringt von vielen (weiblichen) Autogrammjägern, sein Glück kaum fassen. "Wenn ich diese Weite auch beim WM-Finale bestätigen könnte, dann ließe sich damit schon was anstellen. Allerdings braucht man natürlich auch etwas Glück, denn die Weltspitze liegt derzeit wahnsinnig eng beieinander", wagte der Zwei-Meter-Hüne vom SC Magdeburg schon mal einen Blick voraus auf den Jahreshöhepunkt Ende August in Südkorea.

Aus Sicht von Trainer Armin Lemme ist das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. "In Halle hatten wir eher Frauen-Diskus-Wind. Für die Männer wäre noch stärkerer Wind von vorne rechts ideal, aber man kann nicht alles haben. Die 67,21 sind schon ’ne ordentliche Hausmarke. Auch die stabile Serie kann sich sehen lassen, mit insgesamt sechs Würfen über 63 Meter, davon zwei, die sogar jenseits der 66 Meter landeten", so der Coach, der, wie Wierig frohlockt, "schon mal einen Kasten Bier kaltgestellt hat". Den hatte der ehemalige Weltcupsieger Lemme, einst selbst im Diskusring aktiv, ausgelobt, wenn sein Schützling die 1982 von ihm geworfene Bestleistung von 68,50 Meter übertrifft.

Doch das ist nur eine von vielen Zielprämien, die Wierig zu weiteren Höchstleistungen treiben. Beim Thema "Diamond League" und "Oslo" fangen seine Augen an zu glänzen. "Für einen jungen Athleten ist es nicht so einfach, in die internationalen Top-Meetings reinzukommen. Für Oslo stand ich nur auf der Warteliste. ich hoffe mal, das hat sich mit dem heutigen Tag erledigt, und ich bin dabei."

Einen anderen Lohn bekam der angehende Polizeimeister noch an Ort und Stelle "ausgezahlt": Freundin Kristin gab ihrem Schatz erst ein Küsschen, dann eine volle Brotbüchse. "Ich hatte morgens nur ein Brötchen runterbekommen", freute sich Wierig über die Weitsicht seiner Freundin und haute erstmal richtig rein ...