Magdeburg. Der weiße Stuhl musste leiden. Mit einem Ruck hatte Vlad Hagiu sich das Teil geschnappt, gerüttelt und gestemmt. Das waren die letzten emotionalen Zuckungen des Trainers im dritten Viertel. Fortan legte er sein Gesicht in die rechte Hand und verfolgte mit nachdenklichem Blick, wie seine Mannschaft sich gerade ihrem Schicksal ergab.

Die Wasserball-Union Magdeburg konnte natürlich kaum gewinnen gegen den 30-maligen deutschen Meister Wasserfreunde Spandau. Aber wie sich der Gastgeber des Achtelfinals um den Turbo-Cup am Sonnabend in heimischer Elbeschwimmhalle präsentierte, hatte das Prädikat "ziemlich grausam" verdient. Mit 5:26 (0:5, 1:4, 3:6, 1:11) mussten sich Hagius Schützlinge geschlagen geben. WUM-Präsident Serban Costa konnte dem Ergebnis noch etwas Positives abgewinnen. Denn so viele Tore hatte Magdeburg noch nie gegen die Spandauer erzielt – ein schwacher Trost.

Man muss Hagiu nur in die Augen schauen, um zu wissen, was dieser Mann fühlt. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte der Coach eine halbe Stunde nach der Schlusssirene. WUM-Teamchef Johannes Koch resümierte die Partie dann so: "Willkommen in der Realität." Aber war diese Leistung tatsächlich so Magdeburg-real?

Zu viel Respekt, zu wenig Kampf: Hagiu hatte ein anderes Auftreten verlangt, aber von der ersten Sekunde an schwamm WUM nicht nur gegen den Kontrahenten an, sondern auch gegen sich selbst. Am Vormittag hatte es noch eine Trainingseinheit gegeben, weil die Serben Lazar Kilibarda und Mateja Loncaric erst am Freitagabend aus der Heimat zurückgekehrt waren. Ilia Butikaschwili ging gesundheitlich angeschlagen ins Becken. Aber das alles wollte Hagiu nicht als Entschuldigungen gelten lassen.

Das zweite Viertel verlief ja akzeptabel, das dritte sogar gut, es gab Szenenapplaus für eine Parade von Marc Böer und für das folgende Tor von Holger Dammbrück nach einem Konter. Aber insgesamt war es still geblieben unter den 250 Zuschauern, die vor dem Spiel dem kurz vor Weihnachten verstorbenen ehemaligen Dynamo-Spieler und SCM-Trainer Ingolf Bartl in einer Schweigeminute gedachten. Im letzten Viertel lief so gar nichts mehr zusammen. Die Berliner schwammen gleichmäßig durch die Abwehr hindurch, weil keiner zum Pressing mehr bereit war.

Am kommenden Sonnabend geht es nach Leimen zum Bundesliga-Punktspiel, die "realen" Magdeburger können vor heimischem Publikum erst am 29. Januar gegen den OSC Potsdam Wiedergutmachung betreiben.

WUM: Kiffer/Böer – Butikaschwili (1), Schlanstedt, Hagendorf, Richter, C. Bott (1), D. Bott, Dammbrück (1), Knobloch, Loncaric (1), Kilibarda (1), Haak

WF Spandau: Tchigir – Bukowski (3), Kleine (2), Naroska, Politze (6), Petrovic (1), Miers (3), Schlotterbeck (1), Kunzc (2), Eidner (1), Oeler (7), Biegel, Jüngling