Sigulda/Magdeburg. Rennrodlerin Tatjana Hüfner aus Blankenburg schreibt Sportgeschichte. Nicht genug damit, dass die dreifache Weltmeisterin bereits einen Wettkampf vor Schluss zum vierten Mal in Folge den Weltcup sicherte – dieses einmalige Kunststück war vor der 27-Jährigen noch keiner Sportlerin gelungen.

Auch der durchaus als historisch anzusehende Sieg der Kanadierin Alex Gough vom russischen Paramonovo geht mit auf Tatjana Hüfners Konto. Schließlich endete am vergangenen Wochenende die einmalige deutsche Siegesserie: Schier unvorstellbare 13 Jahre und 68 Tage lang war keine Rennrodlerin an den Deutschen vorbeigekommen.

"Das hat schon eine historische Dimension", beurteilte Josef Fendt, Präsident des Internationalen Rennrodel-Verbandes (FIL), das Ergebnis bei der Premiere auf der ersten russischen Bahn.

Auch Hüfner hatte ungewöhnliche Probleme, sich "auf diesen eigenartigen, sehr speziellen Bahnbau einzustellen. Ich habe im Training viele Fehler gemacht und bin sogar einmal gestürzt. Glücklicherweise ist dabei nichts passiert."

Der als Perfektionistin bekannten Blankenburgerin war es schließlich doch noch gelungen, sich "mit der Bahn anzufreunden". Doch im Wettkampf unterlief Tatjana Hüfner ein Lapsus, der ihr schließlich den Sieg in diesem Rennen kosten sollte und den die Sportsoldatin so einordnet: "Nach meinem guten ersten Lauf lag ich noch an der Spitze. Doch dieser Fehler warf mich auf Platz vier zurück. Ich habe Alex aber gratuliert, auch wenn sie unsere Siegesserie ausgelöscht hat."

Alex Gough, heute 23, war gerade im zarten Alter von zehn Jahren und dachte mit keinem Gedanken ans Rennrodeln, als am 6. Dezember 1997 in Igls Barbara Niedernhuber die Grundlage der schwarz-rot-goldenen Serie legte. Erst drei Jahre später hatte ihre Mutter sie bei einem Anwerbungs-Camp des kanadischen Verbandes eingeschrieben. So richtig in Fahrt kam die Gewinnerin vom vergangenen Wochenende erst, als vor vier Jahren der deutsche Trainer Wolfgang Staudinger als kanadischer Chef-Coach verpflichtet wurde. Der Olympiadritte im Doppelsitzer von Calgary 1988 (mit Thomas Schwab) formte behutsam das Talent und führte es Schritt für Schritt in die Weltspitze.

Am Freitag beginnt nun das letzte Weltcup-Wochenende der Saison 2010/11 in Sigulda. Bereits zum 20. Mal seit der Premiere 1989 ist die lettische Kunsteisbahn damit Austragungsstätte eines Weltcups.

"Dort möchte ich trotz des vorzeitigen Weltcup-Gesamtsieges noch einmal alles geben und zwei schöne und vor allem schnelle Läufe zeigen", erweist sich Tatjana Hüfner gewohnt kämpferisch. Ihre Rennen beginnen am Sonntag um 9 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Bei den Männern hingegen steht der Zweikampf zwischen Weltmeister Armin Zöggeler (Italien) und Olympiasieger Felix Loch im Fokus. Für den Berchtesgadener wäre es der erste Weltcup-Gesamtsieg seiner Karriere.