Der deutsche Fußball macht gegen neue Gewalt in den Bundesliga-Stadien mit einem Zehn-Punkte-Programm mobil – schon der 1. Mai soll zu einem Lackmustest werden. Denn am 33. Spieltag wird weniger Polizei in den Bundesliga-Stadien präsent sein. Im kommenden Jahr wird es am Maifeiertag keine Spiele der 1. und 2. Bundesliga geben, um die hohe Belastung der Polizei zu reduzieren.

Berlin (dpa). Dies versprachen die Verantwortlichen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der Politik gestern bei einem Runden Tisch zum Thema Fußball und Gewalt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière wertete diese neuen Maßnahmen als klares Zeichen, dass nach den jüngsten Fan Ausschreitungen in der Bundesliga "auch im Fußball neue Anstrengungen unternommen werden".

DFL-Präsident Reinhard Rauball stellte in Berlin den Zehn-Punkte-Plan vor: Er reicht von der Intensivierung präventiver Maßnahmen und der Verbesserung der Kommunikation über wissenschaftliche Begleitung, einem Ehrenkodex für Fans bis hin zu Bewährungsmöglichkeiten für bestrafte Anhänger. Personengebundene Eintrittskarten oder die Abschaffung von Stehplätzen stehen dagegen nicht auf der Agenda.

Schon am kommenden 1. Mai solle aus den Fußball-Stadien bei weniger Polizeipräsenz "ein Signal gegen Gewaltbereitschaft" ausgehen, forderte de Maizière. Zwar konnten DFL und DFB für diesen Tag, an dem die Polizeikräfte deutschlandweit wegen befürchteter Krawalle am Rande der Mai-Demonstrationen gefordert sind, nur in Nuancen für eine Entzerrung sorgen. "Das ist der vorletzte Spieltag der Bundesliga", wies Rauball darauf hin, dass die Austragung aller Partien an diesem Tag schon wettbewerbsmäßig vorgeschrieben sei.

Doch für die kommenden Jahre soll der fußballfreie 1. Mai in Deutschland trotz der gültigen Fernsehverträge durchgesetzt und damit die Polizei entlastet werden, versprachen Rauball und DFB-Präsident Theo Zwanziger. Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Länder-Innenminister (IMK), sieht in dieser Zusicherung verbunden mit den anderen Maßnahmen einen "Quantensprung" in der Zusammenarbeit des Fußballs mit der Polizei

Angesichts der jüngsten Ereignisse wie in Berlin, als rund 150 Hertha-Chaoten nach dem Spiel gegen Nürnberg den Rasen gestürmt hatten, und alarmierender Zahlen zeigte sich de Maizière "froh" über die neuen Initiativen des Fußballs. In der vergangenen Saison hatte es bei den 612 Spielen der 1. und 2. Bundesliga 830 verletzte Personen, davon 229 Polizisten, gegeben. Rund eine Million Einsatzstunden habe die Polizei geleistet, zählte der Innenminister auf. Es gebe 12 000 Problemfans in Deutschland, 3500 Stadionverbote seien ausgesprochen worden. Insgesamt hätten die Polizei-Einsätze bei Fußball-Spielen 100 Millionen Euro gekostet, ergänzte Ahlhaus.Die Forderung beispielsweise der Deutschen Polizeigewerkschaft, dass sich die Bundesliga an diesen Kosten beteiligen soll, lehnte DFL-Chef Rauball erneut ab.