Birmingham (dpa). Party, Party, Party: Nach dem Abschlussbankett in der Symphony Hall ging für Matthias Fahrig die große Siegesfeier auf der Amüsiermeile in der Broad Street von Birmingham erst richtig los. "Das war sooo geil. Erst haben sie mich rausgeschmissen, jetzt bin ich der erfolgreichste Turner der EM: Ich glaube, die Party hatte ich mir richtig verdient", meinte der extrovertierte Halb-Kubaner. Ob er zu morgendlicher Stunde tatsächlich noch wie angekündigt in den "Gentlemen Rocket Club" neben dem Mannschaftshotel einkehrte, der mit Strip und Table Dance lockte, wurde nicht überliefert.

Wie ernst der immer zu Scherzen aufgelegte Sunnyboy aus Halle inzwischen seinen "Job" als Turner nimmt, sieht man daran, dass er nur 24 Stunden nach seiner Sternstunde in England schon wieder zum leichten Training auf dem heimischen Podium auflief. "Na klar, ich habe aus der Vergangenheit gelernt. Aber es wäre verlogen, wenn ich jetzt sage: Ich habe mich komplett geändert. Ich bin kein anderer Mensch geworden", meinte Fahrig. Er spielte damit auf die schwere Zeit an, als der "Turn-Rüpel" zwischen 2005 und 2008 zweimal wegen Disziplinlosigkeiten aus der Riege verbannt wurde und Olympia nur am Fernseher erlebte.

"Schon bei der WM 2007 habe ich gedacht: Oh, die können ja auch ohne Dich erfolgreich sein. Verdammte Kacke, die haben Medaillen und ich sitze zu Hause", erinnerte sich der 24-Jährige, der sich nach Peking mit Top-Leistungen wieder zurückmeldete und schon bei der WM in London nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Fabian Hambüchen mit guten Finalplätzen aufhorchen ließ. "Früher sind halt blöde Dinge passiert", räumte Frohnatur Fahrig – der Gegenentwurf zum disziplinierten Hambüchen – ein.

In Birmingham übernahm der "Party-Löwe" nun erstmals in Anwesenheit Hambüchens die Rolle als Leitwolf. Gepuscht vom gemeinsamen Team-Gold, entthronte er den deutschen Ausnahme-Turner mit seinem ersten Titel am Boden und verpasste Sprung-Gold nur um einen Hauch. Neid kam aber bei dem bisherigen "Alleinunterhalter" aus Hessen nicht auf. "Ich habe hinter dem Vorhang mit Matze gezittert und gönne ihm den Titel von ganzem Herzen", sagte Hambüchen.

Chefcoach Andreas Hirsch rieb sich ob der gesunden Konkurrenz im Team zufrieden die Hände. "Matthias hat eine positive Entwicklung genommen, er kann sein Potenzial abrufen. Für ein Team kann es nichts Besseres geben, wenn nach Mannschafts-Gold auch jeder Finalist noch eine Einzelmedaille holt." Wie Hirsch bestätigte, seien alle Probleme offen angesprochen worden. Und auch Fahrig bestätigt, sich wohlzufühlen: "Wir sind so ein cooles Team, einer ist für den anderen da. Wir haben uns gegenseitig in jeder Phase geholfen."