Doha / Frankfurt / Main ( dpa ). Mit dem Schwung der Berliner Heim-WM haben die deutschen Leichtathleten ihre Durststrecke auch unterm Dach beendet. Das nur 17-köpfige Team überzeugte am Wochenende bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Doha, blieb aber ohne Titel.

Kugelstoßerin Nadine Kleinert konnte gestern die Bilanz von drei Medaillen für den Deutschen Leichtathletik-Verband ( DLV ) jedoch nicht aufpolieren. Kleinerts KonkurrentinnenließenimKugelstoß-Ring die Muskeln spielen : Die Freiluft-Vizeweltmeisterin aus Magdeburg kam nur auf 19, 34 Meter und Rang fünf. Gold ging an die Weißrussin Nadeschda Ostaptschuk mit 20, 85 Meter.

" Der Kreis hat sich geschlossen. Es ist meine fünfte Hallen-WM, ich habe mit einem fünften Platz begonnen und heute ist es wieder der fünfte Platz ", meinte Kleinert. " Ich habe vorher in Deutschland nur zwei Wettkämpfe gemacht, deshalb war ich technisch unsicher. "

Innerhalb einer Viertelstunde hatten Kleinerts Kollegen am Samstag im " Aspire Dome " gleich dreimal Edelmetall erobert : Stabhochsprung-Hoffnung Malte Mohr sicherte sich Silber, dazu kamen Bronze für seinen Disziplinkollegen Alexander Straub und Kugelstoßer Ralf Bartels.

Einen bösen Absturz erlebte erneut die einstige Stabhochsprung-König Jelena Issinbajewa. Die Olympiasiegerin und dreimalige Hallen-Weltmeisterin scheiterte dreimal an 4, 75 Meter und musste sich mit 4, 60 Meter und Platz vier begnügen. Bei der Freiluft-WM im August in Berlin hatte die Russin bereits einen " Salto null " hingelegt. Das wollte sie in Doha vergessen lassen und hatte sogar angekündigt, ihren eigenen Weltrekord ( 5, 00 ) anzugreifen. Doch am Ende musste Issinbajewa zusehen, wie Fabiana Murer mit 4, 80 als erste Brasilianerin Hallen-Weltmeisterin wurde.

Die deutschen Stab-Artisten um Mohr sprangen hingegen hoch hinaus. " Das lief ja optimal. Schon am ersten Entscheidungstag haben wir unsere Bilanz von Valencia um 300 Prozent übertroffen ", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop in Anspielung auf die " Nullnummer " vor zwei Jahren in Valencia. Der bisher letzte deutsche Hallen-Weltmeister in einer olympischen Disziplin bleibt aber Mohrs Trainingspartner Tim Lobinger, der 2003 Gold holte. " Die jungen Athleten haben überzeugt ", sagte jedoch Prokop. " Das macht uns Mut für Olympia 2012. "

Auch Routinier Bartels erwies sich wieder einmal als zuverlässiger Medaillenlieferant. Der 32 Jahre alte Europameister stieß in einem hochklassigen Finale mit 21, 44 Meter Bestweite. " Das wird immer verrückter. Jetzt holst du mit 21 Metern gar nichts mehr. Ich bin erstaunt, dass ich auf diesem hohen Niveau mithalten kann. Vielleicht ist es bei mir wie mit Wein : Je älter, desto besser ", meinte der Neubrandenburger. Gold sicherte sich wie schon 2004 und 2008 der Amerikaner Christian Cantwell mit 21, 83 Metern.

Vor 4000 Zuschauern schwangen sich die deutschen Stab-Artisten wenig später zu einer erfolgreichen Double-Mission auf : Mit starken 5, 70 Metern gewann der 23-jährige Mohr aus München Silber ; Teamkollege Straub von der LG Filstal wurde Dritter mit 5, 65. Gold ging an Freiluft-Weltmeister Steven Hooker aus Australien, der als Einziger 6, 01 Meter überquerte. Danach versuchte sich Hooker dreimal vergeblich an 6, 16 Meter – Sergej Bubkas 17 Jahre alter Hallen-Weltrekord ( 6, 15 ) " überlebte " noch einmal. Ein Jahr nach seinem EM-Titel von Turin holte sich der ehemalige Dopingsünder Dwain Chambers auch sein erstes WM-Gold in der Halle : Der 31 Jahre alte Brite siegte über 60 Meter in der Weltjahresbestzeit von 6, 48 Sekunden.

Beifall für den ersten Weltrekord zum Ausklang der Hallensaison gab es aber nicht im Scheichtum Katar, sondern im US-Bundesstaat Arkansas : USMehrkämpfer Ashton Eaton gewann in Fayetteville den Siebenkampf mit 6499 Punkten.