Berlin ( SID ). Kaum war der Abpfiff ertönt und die nächste bittere Pleite für Hertha BSC amtlich, entlud sich der Frust in nackter Gewalt. Rund 100 Chaoten kletterten nach dem 1 : 2 ( 1 : 0 ) gegen den 1. FC Nürnberg über den Stadiongraben, stürmten das Spielfeld und trieben die Sicherheitskräfte mit Stangen bewaffnet vor sich her. Spieler, Trainer und Betreuer flüchteten in die Katakomben. " Da nimmst du nur noch deine Beine in die Hand. Die hauen dir sonst die Birne ein ", sagte Nürnbergs Abwehrspieler Andreas Wolf. Die Chaoten schlugen mit Fahnenstangen auf Werbetafeln und Trainerbänke ein. Schnell bot sich ein Bild der Verwüstung. " Die Türen zu !", schrie Nürnbergs Trainer Dieter Hecking, als die Randalierer Kurs auf den Kabinengang nahmen. Detonierende Feuerwerkskörper verstärkten die bedrohliche Kulisse.

Minutenlang wüteten die Rowdys im Innenraum des Stadions, ehe eine Hundertschaft von Polizisten eingriff. Die Beamten drängten die Krawallmacher durch das Stadion zurück in den Block und verhinderten schlimmere Ausschreitungen. Angeblich waren einige Beamte zuvor schon zu einem anderen Einsatzort abberufen worden. Vier Polizisten wurden leicht verletzt, 30 Randalierer festgenommen.

Herthas Präsident Werner Gegenbauer verurteilte die Krawalle in aller Schärfe : " Das gehört nicht in ein Fußballstadion. Dagegen werden wir mit allen Mitteln vorgehen. Das Spiel unserer Mannschaft gab keinen Anlass, so mit dem Olympiastadion umzugehen. " Der Kontrollausschuss des DFB wird Ermittlungen einleiten, Hertha droht eine Geldstrafe oder sogar eine Platzsperre.

Zuvor hatte es für Hertha die vielleicht entscheidende Niederlage im Kampf gegen den Abstieg gegeben. Als Angelos Charisteas in der Nachspielzeit den Treffer zum 2 : 1-Endstand für die Gäste markiert hatte, starrte Manager Michael Preetz mit Tränen in den Augen in den Berliner Abendhimmel. " Ich bin 14 Jahre in diesem Verein. Es tut mir sehr weh. Wir brauchen ein blau-weißes Wunder ", sagte Preetz, bestätigte aber auch : " Wir forcieren nun auch die Planung für die zweite Liga. "

Nachdem Hertha auch im zwölften Heimspiel in Folge nicht gewonnen hatte, verließ Präsident Gegenbauer kopfschüttelnd seinen Platz auf der Ehrentribüne. " Ich werde mich jetzt nicht mehr so stark dagegen wehren, wenn man mich auf das Thema Abstieg anspricht ", sagte er. Trainer Funkel müsse aber nicht um seinen Job fürchten.