Am Ende gab es auch ohne Sieg in der Champions League noch eine riesengroße Party in Rot-Weiß. Trainer Louis van Gaal fühlte sich von den Fans "wiederbelebt", Karl-Heinz Rummenigge kündigte gleich die nächsten Angriffe an – und anstelle der begehrten Trophäe feierten die Fans eben Franck Ribéry.

München (dpa). Längst hatte sich die Vertragsverlängerung des französischen Publikumslieblings unter den über 25 000 auf dem Marienplatz herumgesprochen, als sich Ribéry das Mikrofon schnappte und neben seiner "Liebe" für den Anhang die frenetisch bejubelte Botschaft verkündete. "Isch ’abe gemacht fünf Jahre mehr", verkündete der beim 0:2 im Finale gegen Inter Mailand noch so schmerzlich vermisste Mittelfeldstar.

"Wegen dieser Familie" FC Bayern und "dem Herzen" habe er bis zum 30. Juni 2015 verlängert, betonte Ribéry, der bei den Münchnern ein Rekordgehalt verdienen wird. "Das ist ein Zeichen, dass wir weiter hohe Ziele haben", sagte Vorstandschef Rummenigge, der vor lauter "Ribéry-, Ribéry"-Rufen seine Balkon-Rede unterbrechen musste. "1999 nach der Niederlage in Barcelona hat Uli Hoeneß gesagt, wir tun jetzt alles, die Champions-League-Trophäe nach München zu holen. Und auch heute kann ich Ihnen versprechen, dass wir alles tun werden, in den nächsten Jahren noch einmal in einem Champions-League-Finale zu stehen und dass wir den Pokal mitnehmen."

Diesmal hatten Ballbesitz im Übermaß und eine offensive Münchner Strategie nicht gereicht gegen Inters Defensive in Perfektion, gepaart mit großer Effektivität. Daher war die Enttäuschung trotz des Trostpflasters Ribéry und der vielleicht größten Feier eines Final-Verlierers natürlich noch groß. "Ich dachte, dass ich heute Morgen tot wäre. Aber Sie sind die Gladiolen. Unglaublich", rief Trainer van Gaal dem Anhang zu. Vom "Feier-Biest" gab es diesmal keine neue Party-Performance, dafür jede Menge Leidenschaft. "Wir leben wieder, durch unsere Fans, die besten der Welt", rief er. Van Gaal, der für den Fall des Triples zwischenzeitlich mit seinem Fortgang kokettiert hatte, bleibt das Ziel Königsklasse also erhalten. "Wir haben nächste Saison wieder eine Chance. Es ist nicht mehr als eine Chance, aber mit solchen Fans und diesen Spielern können wir das vielleicht schaffen", rief der niederländische Trainer. Und auch ohne den Titel habe man etwas erreicht: "Wir haben Bayern München sympathisch gemacht."

So schön ein Trostpreis à la "Königsklassensieger der Herzen" auch sein mag: Noch schöner sind natürlich Titel, was Inter beim ersten Landesmeister-Triumph seit 45 Jahren mit überschwänglicher Freude demonstrierte. Der Traum von Präsident Massimo Moratti, der seit 1995 rund 850 Millionen Euro aus einem Öl-Reichtum in neue Spieler investiert hatte, ging in Erfüllung. Im Gegensatz zum FC Bayern steht Inter nun aber vor einem Neuanfang. Trainer José Mourinho wird den Triple-Gewinner Richtung Real Madrid verlassen.

Schon vor dem Abpfiff des Finales war der Portugiese an der Seitenlinie zu seinem Lehrmeister van Gaal gegangen, um sich seine Glückwünsche abzuholen. "Ich bin ein bisschen stolz, dass er das gemacht hat", gestand der Niederländer. Wenngleich er natürlich lieber selbst den großen Coup gelandet hätte. Dann wäre er und nicht Mourinho in die elitäre Gilde zu Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld aufgestiegen, die als bislang einzige Trainer mit zwei Teams den wichtigsten Vereinstitel Europas hatten gewinnen können.

"Mit Ribéry hätten wir nie verloren. Er hat an allen Ecken und Enden gefehlt", sagte Franz Beckenbauer. Aber nicht nur die Vertragsverlängerung des Franzosen machte Hoffnung für die neue Saison: Auch die Auftritte des Double-Gewinners insgesamt und der Umstand, dass die Bayern in der Champions League auch ohne Sieg über 60 Millionen Euro verdient haben, weckten Vorfreuden. Im nächsten Jahr gilt es aber auch zu beweisen, dass "wir keine Einjahres-Fliege" (Mark van Bommel) sind. Äußerlich machte der Kapitän bei der Feier am Marienplatz den geknicktesten Eindruck, "denn so eine Chance kriegt man nicht oft, ich habe zweimal ein Finale erlebt", sagte er.

Van Bommel ist schon 33 Jahre alt, der Großteil der Mannschaft aber hat noch Entwicklungspotenzial. Selbst ein Robben ist erst 26, ein Ribéry 27. Toni Kroos kommt aus Leverkusen zurück und erhöht die Offensiv-Power des Teams. Aber ob die beste Bundesliga-Defensive im nächsten Jahr auch europäischem Spitzenniveau genügt, ist spätestens seit der individuellen Fehler bei den Milito-Toren wieder sehr fraglich.

"Wir werden alles tun, dass diese Mannschaft nicht nur zusammenbleibt, sondern noch ein Stück stärker wird", versprach Rummenigge. "Wir haben einen sehr schlauen Vorstand. Die wissen genau, was wir noch brauchen und was nicht", versicherte van Bommel. In zwölf Monaten will er eine fröhlichere Party. "Kaum vorzustellen, was gewesen wäre, wenn wir das Ding gewonnen hätten. Die Begeisterung ist hier schon so vielleicht noch größer als in Mailand."

Bayern: Butt – Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber – van Bommel, Schweinsteiger – Robben, Müller, Altintop (63. Klose) – Olic (74. Gomez).

Mailand: Júlio César – Maicon, Lucio, Samuel, Chivu (68. Stankovic) – Zanetti, Cambiasso – Eto‘o, Sneijder, Pandev (79. Muntari) – Milito (90.+2 Materazzi)

Schiedsrichter: Webb (England). Zuschauer: 74 954 (ausverkauft). Tore: 0:1 Milito (35.), 0:2 Milito (70.) Gelb: Demichelis, van Bommel / Chivu

 

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