Um 15. 35 Uhr Ortszeit ging ein Aufschrei heller Freude durch den " Wasserwürfel " von Peking. Zehntausendfach ließ fachkundiges chinesisches Publikum sein Entzücken über die Goldmedaille der Turm-Synchronspringer Yue Lin / Liang Huo vernehmen. Und in der gleichen Minute wurde es für Patrick Hausding und Sascha Klein zur Gewissheit : Das deutsche Europameisterpaar hatte mit äußerster Nerven- und Willensstärke aus Blech noch Silber gemacht.

Ein Abklatschen, eine innige Umarmung, zuvor der gebannte Blick auf die Anzeigetafel. Dann, als die 450, 42 Punkte aufl euchteten, ein Strahlen, das gestern in der zweiten olympischen Entscheidung der Kunst- und Turm-Artisten nicht zu programmieren war. " Wir haben bis zum Ende gezittert ", räumte der Aachener Sportsoldat Klein ein. Dass es am Schluss Silber wurde, war für den 22-J ährigen schlicht " Wahnsinn ".

Sein Berliner Partner Hausding, mit 19 Jahren noch ein Jungspund im Kreis der Weltelite, gebrauchte nach dem vierten der sechs Sprünge ein anderes Wort : " Scheiße " - selbst aus größerer Entfernung war das leicht von Hausdings Lippen abzulesen. Sie hatten den dreieinhalbfachen Salto rückwärts verbaut, waren von Rang drei abgerutscht, die Medaille schien verloren.

An der hielt sich Abiturient Hausding dann später fest. Nicht eine Sekunde ließ er das Metallteil aus den Händen, wollte es an der Jacke seines Trainingsanzugs offenbar noch glänzender

reiben. Silber wurde es, weil Hausding / Klein den eigenen Wackler wegsteckten und mit dem fi nalen Versuch, einem zweieinhalbfachen Salto mit zweieinhalb Schrauben, noch an Gleb Galperin / Dimitri Dobroskok vorbeizogen. Die Russen produzierten ihrerseits einen kapitalen Fehler und machten so den Weg des deutschen Paares frei.

" Wir hätten uns auch über Bronze gefreut ", ließ Hausding wissen, während sein Partner einen innigen Wunsch hatte : " Ich muss meine Freundin Franziska und meine Eltern anrufen. " Zu Hause sollten sie aus erster Hand erfahren, was ihm im fernen China Gutes widerfahren war. " Wahnsinn. Zwei Wettkampftage, zwei Medaillen - das ist wahnsinnig gut ", machte Einzel-Medaillenanwärter Klein darauf aufmerksam, dass ausgerechnet die kleine Gilde der Wasserspringer Deutschlands Edelmetall-Ambitionen bei den Spielen zu erfüllen vermag. Ditte Kotzian ( Berlin ) und Heike Fischer ( Leipzig ) waren vom Drei-Meter-Brett synchron zu Bronze gesprungen.