Magdeburg. Die Olympischen Spiele sind für Antje Buschschulte schon fast Routine. Immerhin strebt sie nun schon das vierte Mal zum Olymp. Das Neue diesmal : Freund Helge erlebt mit ihr gemeinsam die Spiele. Bisher hatte die SCM-Schwimmerin ein Abo auf Bronze, fünfmal belegte sie Rang drei. Und sie hätte sicher nichts dagegen, wenn bei ihren vermeintlich letzten Spielen eine andere Farbe dabei wäre. Doch die Neurobiologin weiß selbst am besten, dass es mit 29 Jahren immer schwerer wird, mit der Spitze mitzuhalten.

Wenn es in den vergangenen Monaten im Schwimmbecken mal wieder nicht " rutschte " ( so bezeichnen Schwimmer den Zustand, mit der Leichtigkeit des Seins, wie ein Fisch durchs Wasser zu gleiten ) und sich Antje Buschschulte viel eher wie eine bleierne Ente vorkam, dann rief sich der Lockenkopf ihre Lieblings-Vision im Kopf auf : " Mit meinem Helge Hand in Hand durch das olympische Dorf schlendern, das Flair genießen und das bunte, Gewusel ‘ von Sportlern aus aller Herren Länder beobachten, darauf habe ich mich gefreut. Das Glück, gemeinsam Olympia zu erleben, haben ja nicht viele Paare. "

Doch um am Ende diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, musste sich die SCM-Nixe mehr strecken, als es ihr lieb war. Während Rücken-Europameister Helge Meeuw – seit der EM 2006 ist der sechs Jahre jüngere und einen halben Kopf kleinere Frankfurter der Mann an der Seite von Antje Buschschulte – kaum Mühe hatte, sich bei den Meisterschaften für Peking zu qualifi zieren, tat sich die Magdeburgerin sehr schwer.

Über ihre Paradedisziplin 100 m Rücken patzte die Weltmeisterin von 2003. Auch über 100 m Schmetterling wurde sie " nur " Zweite und verfehlte die Norm. Erst in allerletzter Sekunde zog die Neurobiologin, die nach Olympia " im Training mehr als einen Gang runterschalten will, um meine Doktorarbeit in Angriff zu nehmen ", ein Ass aus dem Ärmel : Als Dritte über 100 m Freistil schwamm sie sich durch die Staffel-Hintertür nach Peking.

Und weil auf " Buschi " in all den Jahren bei den internationalen Höhepunkten eigentlich immer Verlass war, selbst beim allgemeinen " Abtauchen " der deutschen Schwimmer 2004 in Athen glänzte der Henneberg-Schützling als rühmliche Ausnahme mit dreimal Bronze, darf sie nun in Peking auch im Einzel starten. " Und ich verspreche, ich werde noch einmal alles aus der alten Frau rausholen, was da ist. "

Da Antje Buschschulte sich als " mehr rational als emotional " bezeichnet, in ihrem Leben all ihre Ziele mit größter Genauigkeit und Konsequenz angegangen ist, dürfte es allerdings selbst den cleversten " Paparazzo " schwerfallen, im Pekinger " Wasser-W ürfel " ein öffentlich turtelndes Liebespärchen Buschschulte / Meeuw zu knipsen : " Bei Wettkämpfen haben wir beide einen Modus gefunden und gehen das sehr professionell an - da macht jeder sein Ding. Schließlich sind wir nicht zum Liebesurlaub in China, sondern um schnell zu schwimmen ", zeigt sich die ehrgeizige Sportlerin kategorisch.

Allerdings, ein Küsschen in Ehren kann ( einem Medaillengewinner ) sicher keiner verwehren ...