Sechsmal Gold, eine grandiose Eröffnung, viel Lob und noch mehr Stolz : Das Land der Mitte steht Kopf und feiert sich nach einem spektakulären Auftakt selbst. "China wird diesen Moment nie vergessen, wir haben der ganzen Welt gezeigt, was wir an Kultur, Geschichte und Technologie zu bieten haben", schwärmte die Zeitung China Daily von der Eröffnungsfeier.

Es fielen aber auch erste Schatten auf die Spiele: Der Krieg im Kaukasus zwischen den Olympia-Teilnehmern Russland und Georgien, die tödliche Messer-Attacke auf einen amerikanischen Olympia-Touristen mitten in Peking und zwei Terroranschläge in der Provinz Xinjiang mit insgesamt 24 Toten in der Woche vor der spektakulären Eröffnungsfeier.

Sportlich hat Chinas langer Marsch an die Spitze der Nationen optimal begonnen. Gewichtheberin Chen Xiexia sorgte am Samstag für einen goldenen Auftakt. Pang Wei und Guo Wenjun sicherten sich am Schießstand jeweils den Olympiasieg, die Synchronspringerinnen Guo Jingjing und Wu Minxia, Judoka Xian Dongmei und der erst 17 Jahre alte Gewichtheber Long Qingquan machten den Traumstart perfekt und schraubten die eindrucksvolle Bilanz auf sechsmal Gold. Damit lag China im Medaillenspiegel vorn. Ziel der Gastgeber ist es, mehr als 32 Goldmedaillen zu holen, mit denen China vor vier Jahren in Athen den zweiten Platz hinter den USA (35) belegten. Um diesen Traum zu verwirklichen, schicken die Asiaten das Rekord-Aufgebot von 639 Athleten an den Start.

Der Stolz der chinesischen Bevölkerung auf die Spiele und die eigene Mannschaft ist überall deutlich sichtbar. Vor jedem großen Bildschirm stehen sie, wenn einer ihrer Landsleute im Einsatz ist. Fans und freiwillige Helfer zittern und leiden mit. Sie lachen, klatschen begeistert in die Hände und freuen sich einfach nur, falls es ein goldenes Happy End gibt.

"Die Welt sieht den Enthusiasmus Chinas für die Spiele", meinte BOCOG-Vizepräsident Wang Wei. Überall spüre man die Freundschaft mit den Völkern der Welt, sagte er und schwärmte von der Eröffnung: "Wir hätten kein besseres Bild von China vermitteln können." Selbst in Taiwan gab es viel Lob. "Olympia hat China zum ersten Mal in seiner 5000-jährigen Geschichte in den Mittelpunkt des Universums gerückt", schrieb die Zeitung "Lianhebao".

"Das wird die beste Erinnerung meines Lebens", schwärmte Li Ning nach seiner waghalsigen Luftnummer bei der Eröffnungsfeier. Der 44-Jährige war in schwindelnder Höhe von mehr als 50 Metern bei der Eröffnungsfeier um das "Vogelnest" geflogen. Gehalten nur von zwei dünnen Seilen bewies der dreifache Goldmedaillengewinner von 1984 seine noch immer fantastischen turnerischen Qualitäten und entzündete auf spektakuläre Weise das olympische Feuer. "Das größte Problem war der Wind", fügte der Sohn eines Dorfschullehrers aus Liuzhu in der Provinz Guangxi hinzu, der die chinesische Version des amerikanischen Traums wie kaum ein anderer verkörpert: Li Nings Karriere führte ihn aus bitterer Armut bis hin zum Milliarden-Vermögen.

Wie sehr das chinesische Volk mit seinen Sportlern mitfiebert, war Samstag zu sehen: Als Gewichtheberin Chen Xiexia mit dem ersten Gold um den Hals auf dem Siegerpodest stand, gab es kein Halten mehr: Mehr als 6000 Chinesen sangen die Nationalhymne, während die Heldin die Nationalflagge stolz um die Schultern legte und glücklich lächelte.