Erst Georg Hackl, dann Armin Zöggeler - nun Felix Loch: Mit seinem zweiten Olympiasieg hat der neue Rodel-König aus Berchtesgaden seine Regentschaft eingeläutet. Und die könnte alles Bisherige in seinem Sport überstrahlen - Loch ist gerade mal 24 Jahre alt.

Lange hing in seinem Zimmer ein Plakat mit dem Konterfei seines großen Idols Georg Hackl. Mit seinem zweiten Olympia-Triumph hat Rodel-König Felix Loch bei den Winterspielen in Sotschi den Grundstein für eine eigene Regentschaft der Superlative gelegt. Eine weitere Goldmedaille am Donnerstag bei der olympischen Premiere der Team-Staffel und Loch würde nach Olympiasiegen bereits zu seinem großen Vorbild aufschließen.

Felix I. will von solchen Rechnereien nichts wissen. "Auf das dritte Einzel-Gold muss ich ja noch vier Jahre warten", stellte der Überflieger am Morgen nach seiner Gala im Deutschen Haus in Krasnaja Poljana klar. Und mit Blick auf seinen wohl wichtigsten Helfer betonte er: "Ihn zu übertrumpfen, ist nicht mein Ziel. Ich gehe meinen Weg und vergleiche mich nicht mit ihm. Er hat seine Fußstapfen hinterlassen und ich meine."

Unzweifelhaft ist Loch nach seinem zweiten Olympia-Gold aber auf dem besten Wege, sich an die Spitze sämtlicher Rekordlisten in seinem Sport zu setzen. Jüngster Weltmeister war der Berchtesgadener 2008, jüngster Olympiasieger 2010 - am Donnerstag könnte Loch erster Doppel-Olympiasieger im Rodeln werden. "Wenn Felix gesund bleibt, ist er der Mann, der alle Rekorde bricht", prophezeite Lochs italienischer Vorgänger-Regent Armin Zöggeler.

Loch wurde bei seinem zweiten olympischen Streich den riesigen Ansprüchen gerecht. Als Top-Favorit war der viermalige Weltmeister zu den Winterspielen gereist, schon Silber wäre wohl als herbe Enttäuschung gewertet worden. "Er hatte enormen Druck", erklärte Altmeister Zöggeler, der das Gefühl kennt. 2006 in Turin hatten alle seinen zweiten Olympiasieg erwartet, der ihm am Ende auch gelang.

Zöggeler sah man den Druck damals an, bei Felix I. sieht dagegen alles locker aus. Nie scheint er um ein Lachen oder einen lässigen Spruch verlegen zu sein. Dass es hinter der Fassade beim jungen Berchtesgadener durchaus anders aussieht, zeigte sich nach dem Finaleinlauf. Der ganze Druck musste raus, ausgelassen wie selten bejubelte Loch seinen Sieg. "Da fällt alles von einem ab, was sich über das Rennen hinweg so ansammelt", erklärte er später den ungewöhnlich heftigen Gefühlsausbruch. Freundin Lisa war jedenfalls von den überschäumenden Emotionen ihres Lebensgefährten überrascht. "Felix hatte Tränen in den Augen, so kenne ich ihn gar nicht", sagte sie.

Loch hat noch viel vor. "Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Jahre machen. Ich werde das so lange machen, wie es erfolgreich funktioniert", kündigte er an. Wenn man sich anschaut, wie lange man im Rodel-Sport konkurrenzfähig sein kann, ist ein Ende von Lochs Regentschaft nicht absehbar. Der Russe Albert Demtschenko ist schon 42 Jahre alt. Zöggeler 40. "So lange fahre ich aber auf gar keinen Fall", betont Loch. "Mit 40 werde ich mich mit Sicherheit nirgendwo mehr eine Bahn herunterstürzen."(dpa)

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