Athen - Sieben Jahre nach dem mysteriösen Motorradunfall vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2004 in Athen sind die griechischen Sprinter Ekaterini Thanou und Kostas Kenteris wegen Meineids zu Bewährungsstrafen von jeweils 31 Monaten verurteilt worden.

Ein Gericht in der griechischen Hauptstadt sah es als erwiesen an, dass das Läufer-Duo am 12. August 2004 einen Unfall vorgetäuscht hatte, um sich einer angeordneten Dopingkontrolle zu entziehen. Ihre Rechtsanwälte legten sofort Berufung ein. Die Urteile sind somit noch nicht rechtskräftig.

"Das Gericht ist der Auffassung, dass der Unfall nie stattgefunden hat", sagte Richter Dimitris Lefkos. Weder Kenteris noch Thanou waren beim Urteilsspruch anwesend. Der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees, Mark Adams, begrüßte die Entscheidung. Der Richter habe das bestätigt, "was wir seit langem wussten: Dass es diesen Unfall nie gegeben hat", sagte Adams.

Der Rechtsanwalt von Kenteris, Michalis Dimitrakopoulos meinte, die Entscheidung sei ein "Schandfleck für das System (der Justiz)". Dieser werde in höherer Instanz ausgewischt. Zuvor hatte er das Gericht kritisiert, weil es seinem Mandanten keine mildernden Umstände anerkannt habe. Dimitrakopoulos meinte es sei einfach "unglaublich" Kenteris nicht das anzuerkennen, was man sogar Drogen-Dealern anerkenne (mildernde Umstände).

"Und jetzt haben wir die Entscheidung für die beiden Athleten, als ob sie nichts für dieses Land getan hätten", sagte er. Auch die Rechtsanwältin von Thanou kritisierte in ungewöhnlich scharfer Form das Urteil: "Die Justiz war heute leider blind gegenüber der Wahrheit", sagte Maria Kevga.

Interessanter Aspekt: Wie Juristen der Nachrichtenagentur dpa sagten, sei der Fall im August 2012 so oder so verjährt. Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Verteidigung der Angeklagten auf diesen Zeitaspekt setzt.

Trainer Christos Tzekos erhielt sogar eine Bewährungsstrafe von 33 Monaten. Sechs Ärzte, die Thanou und Kenteris angeblich nach dem Unfall in einem Krankenhaus behandelt haben wollen, wurden zu Bewährungsstrafen von sechs bis acht Monaten verurteilt. Zwei vermeintliche Zeugen des Unfalls erhielten Bewährungsstrafen von sieben und 15 Monaten.

Der Fall Kenteris/Thanou ist einer größten Skandale in der olympischen Geschichte. Kenteris hatte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney über 200 Meter Gold gewonnen, Thanou über 100 Meter Silber.

Unmittelbar nachdem die beiden Leichtathleten am 12. August 2004 ins olympische Dorf von Athen eingezogen waren, erhielten sie die Nachricht von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), binnen zwei Stunden zu einer Dopingkontrolle erscheinen zu müssen. Um sich diesem und möglichen weiteren Tests zu entziehen, sollen Kenteris und Thanou den Motorradunfall vorgetäuscht haben. Sechs Tage später entzog das Internationale Olympische Komitee (IOC) den beiden ihre Akkreditierung.

Die griechischen Sprinter wurden nie des Dopings überführt. Der Leichtathletik-Verband ihres Landes (SEGAS) hatte sie im März 2005 sogar von diesem Vorwurf freigesprochen. Obwohl Thanou die Olympia-Norm über 100 Meter für Olympia 2008 erfüllt hatte, verweigerte ihr das IOC die Teilnahme in Peking, weil sie mit ihrem Verhalten die olympische Bewegung "in Misskredit" gebracht habe.