Mit dem Talent und den Tipps von Vater Helmut ist der kommende deutsche Motorrad-Star Stefan Bradl beim Heim-Grand-Prix gestern auf Platz zwei und in die Herzen der Fans gerast. Vor 98 130 begeisterten Zuschauern auf der Rennstrecke bei Hohenstein-Ernstthal schaffte der 18-jährige Aprilia-Pilot zugleich das beste Resultat eines deutschen Fahrers seit Wiedereröffnung des Traditionskurses 1998.

Hohenstein-Ernstthal ( dpa ). Phasenweise durfte er sogar von einem Heimsieg in der Klasse bis 125 ccm träumen, aber am Ende war WM-Spitzenreiter Mike di Meglio ( Frankreich ) schneller.

In den anderen beiden Klassen siegten die Dominatoren der Trainingssitzungen. Marco Simoncelli ( Italien / Gilera ) übernahm mit seinem dritten Saisonsieg die Führung im Gesamtklassement der Viertelliterkategorie. Weltmeister Casey Stoner ( Australien / Ducati ) kam zu seinem dritten Sieg hintereinander in der " Königsklasse " MotoGP. Das Rekordrennen von Valentino Rossi ( Italien / Yamaha ) wurde mit Platz zwei und der Führung in der Gesamtwertung gekrönt.

Insgesamt verzeichnete der Sachsenring in diesem Jahr an den drei Tagen 221 492 Zuschauer und damit rund 5000 weniger als im vergangenen Jahr. Das war in erster Linie dem zum Teil strömenden Regen am Sonntag geschuldet. ADAC-Motorsportpräsident Hermann Tomczyk sicherte der Traditionsstrecke zu, bis 2011 alleiniger Ausrichter des Deutschland-Grand-Prix zu bleiben.

Bradl konnte sein bestes Karriereergebnis kaum fassen. In der Auslaufrunde bekam er vom ersten Streckenposten eine Deutschland-Fahne, dann stellte er sein Motorrad in einer Kurve ab, eilte zu den Fans und warf seine Handschuhe ins Publikum. " Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben ", gab der Bayer zu. Später auf dem Siegerpodest wirkte er trotz seines jugendlichen Alters ausgebufft wie im Rennen, reckte routiniert Pokal und Fäuste in die Luft und ließ sich von seinem Team feiern. Das hatte sich in der spannenden Schlussrunde mit dem Angriff der am Ende dritt- und viertplatzierten Gabor Talmacsi ( Ungarn ) und Bradley Smith ( Großbritannien ) vor Aufregung kaum noch eingekriegt.

" Ich war supernervös. Immer wieder begann es zu nieseln und ich wollte unbedingt auf das Podium ", sagte Bradl, der den entscheidenden Tipp von seinem Vater Helmut, einst WM-Zweiter, erhielt. " Er hat für mich entschieden, einen harten Reifen zu verwenden. Ich wollte eher eine weichere Mischung fahren. Aber diese Entscheidung, volles Risiko zu gehen, war genau richtig ", bedankte er sich bei seinem Förderer. Dass er aber dem enormen Druck von außen standhielt, war eine fast noch größere Leistung als die Fahrt auf der Aprilia, mit der er viel routiniertere Piloten auf Distanz hielt. " In der Schlussrunde hatte ich etwas Angst vor Talmacsi, der ist ein alter Hase. Aber vor dem Publikum wollte ich den zweiten Platz unbedingt halten. "