Winterberg - Das sensationelle WM-Silber von Skeleton-Pilotin Jacqueline Lölling hat die neue Nominierungspolitik des deutschen Verbandes ad absurdum geführt.

Wegen ihrer Startschwäche dürfte die Athletin von der RSG Hochsauerland in der kommenden Saison eigentlich gar nicht im Weltcup mitfahren. Nach der Silberfahrt der 20-Jährigen, die nur dank einer Wildcard bei der Heim-Weltmeisterschaft in Winterberg antreten konnte, steckt der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) nun gewaltig in der Zwickmühle.

C-Kader-Athletin Lölling hatte zwar großen Rückstand auf die Top-Starterinnen, erreichte aber mit einem vier Jahre alten Schlitten trotzdem die Top-Endgeschwindigkeit von 130,38 Stundenkilometern. "Das Mädel ist sensationell, ich hätte es aber nicht für möglich gehalten", meinte ihr Heimcoach Bernhard Lehmann. Innig umarmte er die Junioren-Weltmeisterin und versprach: "Sie ist die kommende Dame des Skeletonsports."

300 Fans aus ihrer nur 72 Kilometer entfernten Heimatgemeinde Brachbach trugen Lölling nach dem Erfolg über das Eis. Es wirkte wie der Vollzug einer Wachablösung, als die Junioren-Weltmeisterin auch von der scheidenden Olympia-Dritten von 2010, Anja Huber-Selbach, auf die Schultern gehoben wurde. "Das Gefühl kann man nicht beschreiben", sagte Lölling, die einfach "nur cool fahren" wollte.

Löllings Vereinschef Wolfram Schweizer war völlig aus dem Häuschen: "Das Gesamtpaket passte", sagte der deutsche Chefmechaniker. Nun soll der Angriff auf Olympiasiegerin Elizabeth Yarnold folgen, die auch bei der WM in Winterberg nicht zu schlagen war.

Die Britin hatte nach vier Läufen 0,67 Sekunden Vorsprung auf Lölling. Mit 57,42 Sekunden erzielte Yarnold im letzten Lauf erneut Bahnrekord. Dritte wurde Elisabeth Vathje aus Kanada.

Ihre Medaillenchancen vergab Tina Hermann aus Königssee im Finallauf, sie belegte Platz fünf. Sophia Griebel wurde Zwölfte. Huber-Selbach kam in ihrem letzten Rennen auf Platz 14 und konnte ihre Tränen nicht verbergen. Minutenlang saß die Ex-Weltmeisterin einsam auf der Bahnbegrenzung und schaute die Zielgerade hinunter. "Es kommen so viele Bilder. Ich hatte vorher gesagt, ich will nicht weinen. Doch die Gefühle kann man nicht bremsen", meinte die Berchtesgadenerin.

Etwas wehmütig schaute auch die zweimalige Weltmeisterin Marion Thees aus Oberhof, die wie Lölling als Ausnahmepilotin gilt, die neu eingeführten Startnormen des BSD aber ebenso nicht erfüllt. So musste sie ihre Karriere beenden. Cheftrainer Jens Müller verteidigte jedoch den Neuanfang mit schnellen Startern als richtigen Weg. Dabei hatte Lölling gerade das Gegenteil bewiesen.