Falun - Bei einem nächtlichen Streifzug durch die Bars und Restaurants von Falun spülte Severin Freund die Enttäuschung über die verpasste Krönung einer für ihn überragenden WM hinunter.

Nach dem fünften Platz im Teamwettbewerb ließ es der zuvor mit zweimal Gold und einmal Silber reichlich dekorierte Super-Adler bis in die frühen Morgenstunden richtig krachen. Bei der Abreise am Sonntag war der Ärger über das verkorkste Finale schon wieder verraucht. "Natürlich ist man erst einmal enttäuscht, denn die Team-Medaille war das große Ziel. Aber die Bilanz für mich ist positiv. Es war eine schöne WM", sagte Freund.

Auch Bundestrainer Werner Schuster wollte sich das überragende Ergebnis bei den Titelkämpfen durch den finalen Absturz nicht kaputtreden lassen. "Für uns wird es eine unvergessliche WM bleiben. Sonst haben wir uns oft mit bescheidener Qualität zusammengerauft und in der Mannschaft eine Medaille geholt. Jetzt haben wir mit Severin den besten Skispringer der Welt in unseren Reihen. Er hat sich endgültig emanzipiert und ist in die Topkategorie aufgestiegen", resümierte er.

Den Beweis dafür hatte Freund am Samstag mit einem unglaublichen Final-Flug geliefert, bei dem allen Beobachtern der Atem stockte. Der Einzel-Champion überflog seinen Schanzenrekord um 7,5 Meter und landete bei 143 Metern fast schon im Auslauf, wo er jedoch in den Schnee greifen musste. "Ich habe versucht, den Sprung zu stehen, aber da schlägt der Instinkt zu. Mir war schon in der Luft mulmig zumute. Ich bin froh, dass nichts passiert ist", berichtete der 26-Jährige.

Schuster war ebenfalls erleichtert. Der Coach hatte eine Anlaufverkürzung für Freund erwogen, sich dann aber anders entschieden. "Ich habe bestimmt 20 Sekunden vor dem Computer gestanden und gedacht, du musst runtergehen. Aber dann dachte ich, wenn es daneben geht, denken die anderen, die Deutschen spinnen. Wir waren ja weit abgeschlagen", berichtete Schuster. "Und dann macht er so einen Supersprung, und es wird gefährlich."

Es war das einzige Highlight aus deutscher Sicht in einem Wettbewerb, in dem der Olympiasieger von Beginn an der Konkurrenz hinterherlief. Am Ende betrug der Rückstand auf Weltmeister Norwegen 63,4 Punkte. "Wir sind im Endeffekt zu kurz gesprungen und haben es heute selbst versaut", sagte Richard Freitag.

Anders als im Weltcup, wo das DSV-Quartett in diesem Winter zweimal gewann und einmal Zweiter wurde, konnte der Sachse dieses Mal nicht die Wende herbeiführen. Das wäre nach dem Fehlstart durch Michael Neumayer und Markus Eisenbichler aber dringend nötig gewesen. Da auch Freund seinen ersten Sprung verpatzte, war die Luft schon zur Halbzeit raus.

"Wir haben es einfach nicht geschafft, unsere Qualität auf die Schanze zu bringen. Deshalb müssen wir heute den anderen gratulieren", sagte Schuster. Silber ging an Österreich, Bronze an Polen. Im Teamhotel bedankte sich der Bundestrainer später in einer kurzen Ansprache dennoch für eine tolle WM, "die für uns alle ein großes Erlebnis bleiben wird". Dann entließ er seine Schützlinge in eine lange Party-Nacht.