Die deutschen Regenkönige Sebastian Vettel und Michael Schumacher haben im China-Chaos ihr Waterloo erlebt. Nico Rosberg behielt im Silberpfeil indes bei der Shanghai-Show des britischen Formel-1-Weltmeisters Jenson Button und Lewis Hamilton den Durchblick und fuhr hinter den McLaren-Stars auf Rang drei. Der von der Pole gestartete Vettel verpasste als Sechster den Sprung an die Spitze der Gesamtwertung, die nun Button nach seinem zweiten Saisonsieg vor Rosberg anführt.

Shanghai (dpa). "Das war ein schwieriges, ein absolutes Chaosrennen", sagte Vorjahressieger Vettel nach verpatztem Start und falscher Reifentaktik sichtlich enttäuscht. Statt erstmals in seiner jungen Karriere die Spitze zu erobern, fiel der Red-Bull-Pilot zurück. Dennoch bemühte sich der 22-Jährige, das Positive aus dem spektakulären Rennen zu ziehen. "Unter dem Strich ein paar Punkte mitzunehmen, war wichtig. Ich glaube, es hätte heute noch viel schlimmer kommen können."

So wie bei Michael Schumacher: Der Rekordweltmeister fuhr im zweiten Mercedes als Zehnter erneut hinterher, machte den schlechtesten Saisonstart seiner Karriere perfekt – und war erstaunlich selbstkritisch. "Ich habe keinen guten Job gemacht. Ich habe die Reifen zu hart rangenommen. Ich hatte am Ende nur noch Slicks und konnte mich nicht mehr wehren", sagte der 41-Jährige mit ernster Miene. Trost kam von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug: "Der wird noch starke Rennen abliefern. Er hat das Autofahren nicht verlernt. Keine Angst."

Beinahe auf der letzten Reifenrille kam Jenson Button ins Ziel – und war happy. "Das ist mein bester Sieg", sagte der neue Spitzenreiter. Rosberg sah sich als Gesamtzweiter und sein Team im Aufwärtstrend: "Insgesamt bin ich wirklich sehr zufrieden. Das war wieder ein Schritt in die richtige Richtung."

Button war zu seinem insgesamt neunten Grand-Prix-Erfolg gerast. 1,530 Sekunden später machte Hamilton den ersten Doppel-Erfolg für McLaren seit Monza 2007 perfekt. Rosberg sicherte 9,484 Sekunden dahinter den zweiten Podiumsplatz für das Mercedes-Werksteam nacheinander.

Nach vier von 19 Rennen führt Button mit 60 Punkten das Feld vor Rosberg (50 Punkte) an. Dritter ist der Spanier Fernando Alonso im Ferrari (49) vor Hamilton (49). Vettel (45) fiel von Platz drei auf fünf zurück. Der bisherige Gesamterste Massa (41) stürzte auf den sechsten Rang ab.

Erneut machte allein der Regen den vierten Saisonauftritt des Formel-1-Zirkus‘ unterhaltsam: Pünktlich zum Start begann es zu tröpfeln – und damit das große Reifen-Roulette. Button und Rosberg erwiesen sich zunächst als die besten Zocker.

Mann des Rennens war allerdings 2008-Weltmeister Lewis Hamilton, der trotz vier Reifenwechsel bis auf Rang zwei fuhr. Nach dem Rennen musste er noch lange um den zweiten Platz bangen, da er nach einem Reifenwechsel Vettels Red Bull in der Box sehr nahe kam und ihm eine Strafe drohte. Am Ende verwarnte die Jury ihn und Vettel.