Nach dem Brand der ehemaligen Fabrikanten-Villa Budenberg an der Schönebecker Straße kochen in Buckau die Emotionen hoch. 20 Anwohner haben sich gestern Nachmittag an der Ruine versammelt und einen Kranz mit der Aufschrift "Spekulation schafft Baulücken" niedergelegt. Der Hintergrund: Obwohl es zahlreiche Ideen für die Villa gab, wechselten zwar die Besitzer, der Zustand änderte sich aber nicht. Am Nachmittag begann der Notabriss.

Buckau. Aufgeregt telefoniert Marcel Guderjahn auf dem Fußweg der Villa Budenberg. "Ja, sie steht in Flammen. Das ist das Ende", sagt er seinen alarmierten Freunden vom Verein Buckau ist Kult(ur). Sein Vereins-Sweatshirt, das er an diesem Abend trägt, unterstreicht sein Engagement für den Stadtteil. Für den Einsatz in seinem Viertel wurde er dafür sogar 2008 auf den 8. Platz bei der Wahl zum Magdeburger des Jahres gewählt.

Kein Wunder, dass ihn die Sache berührt, als das Gebäude komplett in Flammen steht. Die Fabrikanten-Villa gehört zu Buckau wie die Getraudenkirche, der Engpass, der Thiemplatz oder das Rayonhaus. Der Buckauer wählt den Notruf und informiert die Feuerwehr. Er weist die Einsatzkräfte ein und zeigt Beamten einen Kanister, der an der Ampel herumliegt. Er wird später von der Spurensicherung mitgenommen und untersucht. Ob der Kunststoffbehälter von den Brandstiftern benutzt wurde, bleibt vorerst unklar.

Die Feuerwehr ist mittlerweile, es ist kurz vor Mitternacht, mit einem Großaufgebot im Einsatz. Einsatzleiter Armin Hilgers: "Die Schwierigkeit in der Brandbekämpfung liegt darin, dass wir wegen der Holzvertäfelung und der Holzdecken in dem Fachwerk nicht mehr in das Innere gelangen." Die Einsatzkräfte können nur von außen löschen und kommen so nicht an die Zwischendecken. Wegen der starken Rauchentwicklung und des in Richtung Engpass wehenden Windes hat die Freiwillige Feuerwehr Südost mit einem Messfahrzeug die Schadstoffbelastungen gemessen. "Es gibt aber keine Gefahr für die Anwohner", erklärt Hilgers.

Marcel Guderjahn ist fassungslos. Sein Vater versucht derweil mit der Kamera Fotos zu machen. Eine Mitarbeiterin des Planungsbüros von Jürgen Canehl steht zur selben Zeit auf dem Dach des ehemaligen Messgerätewerkes, dort wo jetzt Loftwohnungen entstehen, und fotografiert ebenfalls das brennende Haus auf der anderen Seite der Schönebecker Straße. Ihr Chef und Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl schreibt später der Volksstimme: "Das wertvolle Zeugnis der Geschichte dürfte jetzt leider unwiederbringlich verloren sein.

<6>Die Unternehmervilla stand für den Aufstieg Buckaus als Industriestandort. Die Sanierung war in den letzten 20 Jahren immer wieder gescheitert an den hohen Kosten einer denkmalgerechten Instandsetzung. Es wäre wichtig gewesen, hier mit Sanierungsmitteln den ehemaligen Eigentümern zu helfen."

<7>Marcel Guderjahn sagt: "Die Villa stammt aus dem Jahr 1858. Ursprünglich hatte hier die Buckauer Porzellanmanufaktur Falkenberg ihren Sitz. Der verkaufte die Villa an Budenberg." Die Geschichte seines Stadtteils und der Villa hat er im Kopf. "Hier wurden auch Stadtteilführungen gemacht", erinnert er sich. Seit Mitte der 1990er Jahre steht das Haus leer, seitdem die IG Metall ausgezogen ist.

Seither wechseln die Besitzer. Aktuell steht die Villa noch in einer Immobilienverkaufsbörse für 149 000 Euro zum Verkauf. Der letzte Besitzer hatte sich offenbar "verhoben" und wollte nun die Immobilie dringend loswerden. Der Preis dürfte in der Nacht zum Freitag auf null gefallen sein. Denn das Bauordnungsamt hat den Abriss aus Sicherheitsgründen angeordnet.

Die Polizei prüft nun Zusammenhänge mit den anderen Bränden in denkmalgeschützten Gebäuden in der letzten Zeit.

   

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