Mit einer Protestaktion haben gestern die Kinder der Beyendorfer Kita mit Ortsratsmitglied Henry Hagendorf ein weiteres Mal ihren Unmut über Tempo 50 vor der Kindereinrichtung ausgedrückt. Seit Jahren kämpft die Kita "Kleiner Maulwurf" für Tempo 30 vor dem eigenen Haus.

Beyendorf-Sohlen. Kita-Leiterin Heidi Pilz fordert im Interesse ihrer Schützlinge seit Jahren Tempo 30 vor der Einrichtung. Da Polizei und Tiefbauamt diesen Wunsch stets ablehnten, hatte das Kita-Elternkuratorium bereits im Sommer des Vorjahres eine Unterschriftenaktion gestartet. Elternsprecher Marco Düsterhöft: "Über 60 Eltern und Nachbarn hatten unterschrieben. Doch auch nach der Übergabe der Listen an das Tiefbauamt gab es keine Reaktion."

Als am 15. Mai Oberbürgermeister Lutz Trümper in Beyendorf-Sohlen seine Einwohnerversammlung durchführte, kam die Tempofrage natürlich auch auf die Tagesordnung. Wortreich begründete Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt die Ablehnung mit den "vorliegenden Prüfergebnissen von Polizei und Ordnungsbehörden": "Die Straßenverkehrsordnung schreibt genau vor, wo man Tempo 30 anordnen darf und wo nicht. Im Fall der Beyendorfer Kita sieht niemand ein Gefährdungspotenzial. Die Sicht für Autofahrer ist ausreichend und es gab auch seit Jahren keinen Unfall vor der Kita. Aus unserer Sicht sind die örtlichen Gegebenheiten für eine Tempobeschränkung auf 30 km/h nicht gegeben."

Nach Ansicht von OB Lutz Trümper ist das Problem ohnehin hausgemacht: "Die meisten Raser wohnen ohnehin im Dorf. Das haben zum Beispiel Untersuchungen im Hopfengarten ergeben, wo 90 Prozent der Autofahrer, die dort das Tempolimit überschritten hatten, in der Siedlung wohnten. Tatsache ist auch, dass die Kreisstraße in Höhe der Kita keinen Unfallschwerpunkt darstellt."

Heidi Pilz kann darüber nur den Kopf schütteln: "Es gibt keine einzige Straße in Beyendorf und Sohlen, in der nicht Tempo 30 gilt. Aber ausgerechnet vor der Kita kann man 50 km/h fahren. Dafür wurde 200 Meter vor der Einrichtung sogar extra ein Tempo-50-Schild aufgestellt, das jedem Autofahrer auch noch sagt: Jetzt darfst Du auf die Tube drücken! Das ist doch unglaublich."

Ortsrat Henry Hagendorf versteht die Welt nicht mehr: "Mein fünfjähriger Neffen ist in Dodendorf nach einem Autounfall verstorben. Ich möchte nie wieder hinter einem weißen Sarg herlaufen müssen. Und ich will mir auch im Fall eines Unfalls vor unserer Kita nicht nachsagen lassen, nicht alles dagegen getan zu haben." Auf der Ortsratssitzung am vorletzten Montag hat Hagendorf in einer flammenden Rede deutlich gemacht, dass der Rat nicht lockerlassen darf: "Wir dürfen uns auf keinen Fall mit den Begründungen von OB und seinem Tiefbauamt abfinden. Es geht um unsere Kinder und niemand von uns darf sie einem Risiko aussetzen, was nicht sein muss."

Alle anwesenden Ortsräte stimmten dem zu und einigten sich auf weitere Protestaktionen gegen Tempo 50 vor der Kita. Gestern gab es die erste davon – die kleinen Maulwürfe demonstrierten mit selbst gebastelten Schildern auf der Kreisstraße. Und bekamen den Beifall jedes vorbeifahrenden Autofahrers ....

 

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