Barleben l Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa plant in den kommenden Jahren erneut Menschen in den Weltraum zu schicken. Auch eine Firma aus Sachsen-Anhalt arbeitet daran mit: Fuelcon aus Barleben baut einen Brennstoffzellen-Prüfstand für die Mission.

Das Glenn Research Center mit Sitz in Cleveland im Bundesstaat Ohio gilt als Herzstück amerikanischer Raumfahrt-Programme: Zahlreiche Wissenschaftler arbeiten dort derzeit am sogenannten Orion-Projekt. Mit der neuen Kapsel wollen die Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren die bemannten Weltraum-Flüge wiederbeleben und an die Erfolge der Apollo-Missionen anknüpfen. In Ohio tüfteln die Forscher vor allem am Service-Modul, das unter anderem für Strom, Wasser und Luft an Bord sorgt. Entscheidend für diese Aufgaben: Brennstoffzellen. Damit die Technik im Weltall reibungslos funktioniert, führt die Nasa zahlreiche Tests durch – bald auch mit Technik aus Barleben.

Nasa-Spezialisten in Barleben

Im Juli erwarten die Fuelcon-Geschäftsführer Mathias Bode und Ingo Benecke Nasa-Mitarbeiter aus Ohio, die den Prüfstand unter die Lupe nehmen. Derzeit arbeiten drei Ingenieure des Barleber Unternehmens an der Fertigstellung des fast drei Meter hohen Kastens. Das Groß-Gerät soll später sogenannte reversible Brennstoffzellen überprüfen, die sowohl Strom als auch Atemluft erzeugen können.

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Den Zuschlag erhielten die Sachsen-Anhalter Ende des Jahres. Einen mittleren sechsstelligen Betrag spült der Auftrag in die Kassen. Nach der Auslieferung wird ein Fuelcon-Mitarbeiter nach Ohio fliegen und vor Ort die ersten Tests begleiten. Seit 2001 fertigen die Barleber Prüfstände für Brennstoffzellen und Batterien. Das erste Gerät bauten Bode und Benecke für General Motors, heute arbeiten fast alle deutschen Automobilhersteller mit den Fuelcon-Prüfständen. Zuletzt ging es für das Unternehmen aber auch hoch hinaus: Im vergangenen Jahr trudelten Aufträge der Flugzeugbauer Airbus und Boeing ein.

Die Qualität aus Sachsen-Anhalt überzeugte auch die amerikanische Weltraumbehörde. „Der Auftrag der Nasa ist für uns ein Ritterschlag“, sagt Ingo Benecke. Die hohen Anforderungen schreckten Fuelcon nicht ab. Bei den Nasa-Testverfahren sollen die Zellen besonders hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Benecke erklärt: „Weltweit gibt es nur wenige Unternehmen, die diese Geräte herstellen können. Eigentlich kommt man an uns nicht vorbei.“

Großauftrag von Audi

Fuelcon ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Erst in diesem Jahr konnten Benecke und Bode zehn neue Mitarbeiter einstellen. Derzeit stehen 70 Beschäftigte auf der Lohnliste der Barleber Firma. Etwa 80 Prozent der Belegschaft sind Ingenieure, sagt Benecke. Bis zu 15 Millionen Euro Umsatz erzielt das Unternehmen jedes Jahr. Die Fuelcon-Macher haben früh erkannt, wohin sich die Industrie in Sachen Antriebstechnik entwickelt. Mittlerweile setzen immer mehr Automobilhersteller auf die Elektromobilität.

Zuletzt erhielt Fuelcon einen Großauftrag von Audi: Die Ingolstädter errichten derzeit in Brüssel eine Batterie-Fabrik. Der Automobilbauer plant in der belgischen Hauptstadt jedes Jahr rund 200 000 Zellen für die konzerneigenen E-Tron-Modelle zu fertigen. Fuelcon baut für das neue Werk eine große Anzahl Prüfstände. Für die Technik aus Sachsen-Anhalt greift auch Audi tief in die Tasche: Der Auftrag ist nach Volksstimme-Informationen millionenschwer.