Automobilzulieferer in Sachsen-Anhalt

Für Sachsen-Anhalt sind die Automobilzulieferer ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. 2012 arbeiteten bei 266 Unternehmen etwa 23 000 Mitarbeiter. Einen Umsatz von mindestens 4,1 Milliarden Euro erzielt die Branche, schätzen Experten.

Das Wolfsburger Volkswagen-Werk ist der Hauptabnehmer der Teile aus Sachsen-Anhalt. Vor allem Zulieferer, die große Komponenten herstellen, nutzen die kurzen Transportwege von Gardelegen oder Oebisfelde nach Niedersachsen. Auch die Werke von BMW und Porsche in Leipzig zählen zu den Kunden der Zulieferer aus Sachsen-Anhalt.

Die Branche im Land ist kleinteilig strukturiert. Der Großteil der Unternehmen hat eine Betriebsgröße zwischen 20 und 50 Mitarbeitern. Die Zulieferer sind in dem Cluster Mahreg organisiert. Das Automotive-Netzwerk besteht seit 15 Jahren. Schwerpunkte der Arbeit sind die Entwicklung neuer Antriebstechnologien und der Leichtbau. (ba)

Barleben l Im Gewerbegebiet von Barleben wird gehämmert und geschweißt. Bis Februar des kommenden Jahres entsteht in der Gemeinde im Landkreis Börde der neue Hauptsitz eines Automobilzulieferers aus Sachsen-Anhalt. Mehr als zehn Millionen Euro lässt sich die Firma Citim den Neubau kosten. Ein Zeichen dafür, dass die Geschäfte beim Zulieferer gut laufen. Die Barleber werden nach dem Einzug ihre Betriebsgröße mehr als verdoppelt haben.

Seit 1996 tüftelt die Firma an neuen Fertigungstechniken. Citim stellt vor allem Prototypen und Kleinserien von Bauteilen für Automobilhersteller, aber auch für andere Zulieferer her. Geschäftsführer Andreas Berkau setzt für die Produktion der Teile auch auf 3D-Druck-Technik. Mit Hilfe der Technologie lassen sich mittlerweile Komponenten aus Kunststoff und Metall produzieren. „Der 3D-Druck ermöglicht das Herstellen von Bauteilen, die durch herkömmliche Fertigungsmethoden nicht oder nur aufwendiger zu produzieren wären“, sagt Berkau. Die Nachfrage steige. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Belegschaft bei Citim verdoppelt. Derzeit hat das Unternehmen 100 Mitarbeiter.

Doch bei vielen Autozulieferern ist die Lage nicht so komfortabel. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe sind von den Anforderungen der globalen Industrie mittlerweile überfordert. Diese Unternehmen befänden sich in einer „Sandwichposition“, schreibt der Autoexperte Stefan Bratzel in seinem Buch „Automobilzulieferer in Bewegung“. Denn einerseits würden sich die Umsätze in Deutschland und Europa verringern, da die Automobilbranche hierzulande nicht mehr wachsen werde. Andererseits würden vielen kleineren Zulieferern die Ressourcen fehlen, um bei der Internationalisierung, dem Kostendruck und der Entwicklungsdynamik mithalten zu können, so Bratzel.

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Zulieferer in Sachsen-Anhalt haben diese Probleme erkannt, sagt Jürgen Ude, Vorsitzender des Automotive-Netzwerks Mahreg. „Unsere Zulieferer setzen verstärkt auf Innovationen in Verfahren und Werkstoffen, um den Anforderungen nach Leichtbau und Senkung der Emissionswerte nachkommen zu können“, erklärt Ude.

Auch bei FuelCon in Barleben ist alles auf Zukunft ausgerichtet. „Wir bauen Testanlagen für Produkte, die im Moment auf dem Markt noch nicht verfügbar sind“, sagt Mathias Bode, der zusammen mit Ingo Benecke den Zulieferer leitet. FuelCon stellt Test- und Diagnosesysteme für Brennstoffzellen und Batterien her. „Autos mit klassischem Verbrennungsmotor beherrschen noch immer den Markt, aber die Branche wandelt sich hin zu alternativen Antrieben“, erklärt Benecke.

FuelCon liegt zwar technologisch an der Spitze, aber die Geschäftsführer spüren dennoch den Druck der globalen Branche. Vor allem die Zeit, um an Neuentwicklungen zu arbeiten, nehme stetig ab. Gleichzeitig werde bei neuen Produkten „extrem auf die Kosten geachtet“, sagt Benecke.

Ein anderer Trend der Automobilindustrie ist an den Barlebern bislang vorbeigegangen. Viele Zulieferer werden von den großen Autobauern gedrängt, ihnen in die großen Wachstumsmärkte im Ausland zu folgen. Erst im vergangenen Jahr hatte der Gelenkwellenhersteller Ifa Rotorion aus Haldensleben ein Werk in Shanghai eröffnet, in der Nähe zu Daimler und General Motors. FuelCon-Vorstand Ingo Benecke sagt klar: „Wenn unser Kunde wünscht, dass wir im Ausland produzieren, würden wir da fertigen.“ Etwa drei Viertel der 65 Mitarbeiter sind Ingenieure. „Das Know-how ist unser Vorteil“, sagt Benecke. Und das sitzt in Sachsen-Anhalt.