Frankfurt/Main - Der Umzug des Archivs der Familie von Anne Frank nach Frankfurt verzögert sich.

Schon vor mehr als zwei Jahren hatte der Cousin der berühmten Tagebuchautorin angekündigt, dass Hausrat und Dokumente von Basel nach Frankfurt überstellt werden sollen. Doch das gestaltet sich komplizierter als gedacht, wie der stellvertretende Leiter des Jüdischen Museums, Michael Lenarz, der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Anne Frank, die in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden wäre, wurde in Frankfurt geboren. 2015 jährt sich ihre Ermordung im Konzentrationslager Bergen-Belsen zum 70. Mal. "Mit dem heutigen Tag schließen wir einen Kreis", hatte der Cousin Anne Franks, Buddy Elias, im Februar 2012 verkündet, als er im Jüdischen Museum die Rückkehr des Hab und Guts der Familie an den Main verkündete.

Bei der Flucht aus Deutschland konnte die Familie Einiges ins Schweizer Exil retten: Gemälde, Fotos, Möbel, Bücher und Haushaltsgegenstände. Die Erinnerungsstücke befinden sich bis heute im Familienbesitz. Auch Briefe sind darunter, etwa von Annes Vater aus dem KZ Auschwitz an die Verwandten in Basel.

All das soll künftig als Dauerleihgabe im Jüdischen Museum in Frankfurt aufbewahrt, ausgestellt und der Forschung zugänglich gemacht werden. Doch das "Familie Frank Zentrum" hat noch keinen Ort, das Museum bekommt dafür eigens einen Erweiterungsbau.

Bis der fertig ist, muss der Nachlass zwischengelagert werden. Aber auch dieses Depot gibt es noch nicht. Im Gespräch war laut Kulturdezernat zuletzt das Deutschordenshaus am Ende des Museumsufers. Das Ikonen-Museum, das heute dort untergebracht ist, müsste ausziehen.

Probleme bei der Überstellung des Archivs machen laut Jüdischem Museum "zollrechtliche Fragen", weil die Schweiz nicht zur EU gehört, und die Tatsache, dass bisher keine Räume dafür zur Verfügung stehen. Lenarz zufolge geht es um rund 1000 Objekte, "das meiste davon ist Hausrat". Wann diese Dinge aus Basel kommen, ist offen.

Schneller könnte der Umzug des schriftlichen Nachlasses der Familie Frank-Elias kommen, "vielleicht in zwei bis drei Monaten", wie Lenarz sagte. Anders sieht es mit dem Archiv des Anne-Frank-Fonds aus: Die Mitarbeiter in Basel benötigten - anders als zunächst angenommen - viele Unterlagen noch selbst, etwa um Rechtefragen zu klären.