Berlin - Als "Jahrhundert-Journalisten" haben Freunde und Weggefährten den jüngst gestorbenen Reporter Peter Scholl-Latour gewürdigt.

Scholl-Latour sei ein unabhängiger Geist gewesen, der aus eigener Anschauung aus aller Welt berichtet habe, sagte der frühere ARD-Korrespondent und "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert bei einer Gedenkfeier für Scholl-Latour am Donnerstag in Berlin. An der Feier nahm auch Scholl-Latours Witwe Eva teil.

Er habe Scholl-Latour 1969 in Paris kennengelernt, schon damals sei ihm der Ruf des großen Journalisten vorausgeeilt, sagte Wickert. Als "unbeirrbarer Wahrheitssucher" sei er eine Ausnahmeerscheinung in der heutigen Medienwelt gewesen, sagte Hans-Ulrich Jörges vom "Stern".

Scholl-Latour war am 16. August in Rhöndorf am Rhein im Alter von 90 Jahren gestorben. Mit seinen Büchern, allesamt Bestseller, und Fernsehberichten prägte er in Deutschland für viele das Bild der arabischen Welt, Asiens und Afrikas. An diesem Freitag erscheint sein letztes Buch "Der Fluch der bösen Tat" über die Rolle des Westens im Orient.

Jörges, Mitglied der "Stern"-Chefredaktion, bedauerte, dass in einer zunehmend vom Internet geprägten Medienwelt die Recherche immer seltener und angesichts von Einsparungen in den Medienhäusern auch schwieriger werde. Scholl-Latour habe bei vielen Neid und Missgunst hervorgerufen. Die journalistischen Werte, denen Scholl-Latour sich verpflichtet gefühlt habe, müssten verteidigt werden, sagte Jörges.

Alle 33 Bücher Scholl-Latours seien Bestseller gewesen, sagte seine Verlegerin, Siv Bublitz (Ullstein Buchverlage). Mit seiner "intellektuellen Abenteuerlust" habe er sein enormes Wissen wie selbstverständlich einer großen Zahl von Lesern vermittelt. An "politischer Korrektheit" sei er dabei nie interessiert und deswegen stets "einen analytischen Schritt" voraus gewesen, sagte Bublitz.