Halberstadt l Ein Verkehrskonzept für die Alt- und Innenstadt kann sich Halberstadt derzeit nicht leisten. Das sagte Stadtplanerin Siegrun Ruprecht bei der fünften Auflage des Altstadtgesprächs. Damit sind die Pläne des Kuratoriums Stadtkultur, in der Voigtei ein Jahr lang eine Einbahnstraße zu testen, vorerst vom Tisch. „Der Verkehr muss als ein Gesamt­organismus betrachtet werden“, erläuterte die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. An einer Stelle die Verkehrsregeln zu ändern, habe Auswirkungen auf alle angrenzenden Straßen.

Ein Verkehrskonzept, wie es Kuratoriumschef Frank Aed-t­­­­­­ner forderte, würde Aspekte wie Verkehrsberuhigung, Barrierefreiheit, die Bedürfnisse von Fußgängern und Radfahrern sowie die Aufenthaltsqualität berücksichtigen, so Siegrun Ruprecht. Momentan fehle der Stadt das Geld für den Eigenanteil, um solch ein Gutachten in Auftrag geben zu können.

Ein Verkehrskonzept sei unbedingt notwendig, sagte Frank Aedtner. Der Vorsitzende des Kuratoriums Stadtkultur betonte, in Wernigerode habe ein solches Papier – rund 120 Seiten stark – zum Erfolg geführt und die Innenstadt belebt. „Wir diskutieren dagegen seit 15 Jahren darüber, wie unsere Altstadt attraktiver werden kann.“ Die Möglichkeiten in der Voigtei beispielsweise seien noch lange nicht ausgeschöpft.

Konzept bezieht Anwohner und Händler ein

„Wir können uns kein Konzept aus Wernigerode überstülpen“, entgegnete Sabine Hannibal. Die Betreiberin des Kultur-Cafés sagte, die Touristenzahlen in Wernigerode und Halberstadt seien nicht vergleichbar. Bei der Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes würden Anwohner, Händler und Besucher einbezogen, hielt Aedtner dagegen. „Unter den Händlern in Wernigerodes Altstadt gab es den gleichen Aufschrei, als dort ein Einbahnstraßen-System eingeführt wurde. Inzwischen sind sie damit sehr zufrieden.“ Für Fußgänger, Rollstuhl- und Fahrradfahrer sei die derzeitige Verkehrsregelung rund um Voigtei, Grudenberg, Bakenstraße und Johannesbrunnen kaum zumutbar.

Mit der aktuellen Situation – in der Voigtei liegt das Tempolimit für Autofahrer bei 30 Kilometern pro Stunde – zufrieden ist Heidrun Danisewitsch. Eine Einbahnstraßenregelung würde für sie Umsatzeinbußen – und wahrscheinlich Entlassungen – in ihrem Blumenladen bedeuten. „Wenn uns eine Richtung fehlt, bricht wohl ein Drittel der Kundschaft weg“, prognostiziert die Geschäftsfrau. Wie sie fürchten viele Händler in der Straße um ihr Einkommen, sollte der Verkehr eingeschränkt werden.

Vorschlag: Mehr Tempokontrollen

Einen Vorschlag, wie der Verkehr in der Altstadt dennoch beruhigt werden könnte, lieferte Sabine Hannibal. „An das Tempolimit hält sich kaum ein Autofahrer in der Voigtei – mehr Kontrollen würden helfen“, sagte die Wirtin. Wenn Autofahrer – egal ob sie die Straße als Abkürzung benutzen oder hierher wollen – langsamer über das Pflaster rumpeln, sei schon viel erreicht.

Bianca Feldheim, Anwohnerin und Gewerbetreibende in der Voigtei, dachte in eine andere Richtung: „Mehr Grünflächen und Blumeninseln auf der Straße würden die Autofahrer zum Bremsen zwingen.“ Und attraktiver zum Bummeln würde die Altstadt auch.