Halberstadt l In jedem Frühjahr verkünden Schwalben mit ihrer Rückkehr aus den afrikanischen Überwinterungsgebieten das Ende des Winters.Vielerorts ist dann ihr Gezwitscher in der Nähe von Häusern, Schuppen und Ställen zu hören.

Waren sie einst überall willkommen, weil eine alte Volksweisheit besagte, dass am Haus brütende Schwalben Glück bringen, ist das heute nicht mehr überall so. So fallen nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Kreisverband Harz, zum Beispiel Mehlschwalbennester den teilweise überzogenen Hygienevorstellungen einiger Hausbesitzer zum Opfer und werden nicht selten illegal von Hauswänden entfernt.

Anderenorts werden Netze gespannt oder die Schwalben mit anderen speziellen Erfindungen daran gehindert, ihre Nester an die Wände „zu kleben“. Auch Fassaden mit Silikonanstrichen verhindern Nistmöglichkeiten.

Zahl der Schwalben sinkt

Dabei sind die Schwalben längst nicht mehr so zahlreich wie früher. Ihre Zahl geht seit vielen Jahren zurück, auch in Sachsen-Anhalt. „Eine der Ursachen ist der fortschreitende Verlust von Nistmöglichkeiten“, sagt NABU-Kreisvorstandsmitglied Gerald Timme. Und: „Während früher in jedem Kuhstall mehrere Rauchschwalbenpaare Platz fanden, sind heute viele Ställe verschlossen, sofern es sie überhaupt noch gibt.“ Außerdem würden nicht asphaltierte Feldwege und Hofeinfahrten, ideale Orte für die Vögel, um feuchten Lehm für den Nestbau zu sammeln, immer seltener. Lange kalte Winter täten das ihre dazu.

Mit der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ wolle der NABU diesem Trend entgegenwirken und zeichne deshalb Menschen und Häuser aus, bei und an denen die Glücksbringer willkommen sind.

„Wir wollen mit der Aktion dazu beizutragen, die Akzeptanz für Schwalben und ihre Nester in der Nähe des Menschen zu erhöhen. Außerdem machen wir auf die schwindenden Brutmöglichkeiten aufmerksam und fordern dazu auf, bestehende Quartiere zu erhalten und neue zu schaffen“, sagt Annette Westermann, stellvertretende Vorsitzende des NABU Kreisverbandes.

Sechs Familien ausgezeichnet

Gemeinsam mit Gerald Timme zeichnete sie sechs Familien aus. „Sie praktizieren Naturschutzarbeit“, betonte Annette Westermann bei der Übergabe der Plaketten. Diese machen nun an den Immobilien der Familien Becker, Haberland, Heinemann, Keddi und Kunze in Harsleben sowie der Familie Rambowsky in Blankenburg auf die schwalbenfreundlichen Hausbesitzer aufmerksam.

Alle Familien haben auf ihren Grundstücken Nester von Rauch- oder Mehlschwalben. In jedem Frühjahr freuen sie sich über die Rückkehr der Flugkünstler und Sommerboten. Sie beobachten interessiert die Brut und die Entwicklung der Jungvögel. Verschmutzungsprobleme an Fassaden werden durch das Anbringen von Kotblechen oder -brettern gelöst.

„Helfen kann man zum Beispiel, indem man, wo es möglich ist, kleine feuchte Lehmkuhlen oder Erdlöcher anlegt, damit die Schwalben wichtiges Baumaterial für ihre Nester bekommen“, so Gerald Timme. Er gibt zu bedenken, dass Mehl- und Rauchschwalben in den Dörfern einen wichtigen Beitrag leisten, auch für die Lebensqualität des Menschen, denn sie ernähren sich ausschließlich von fliegenden Insekten.

Wer ebenfalls wie inzwischen rund 600 Personen und Gebäude in Sachsen-Anhalt als „Schwalbenfreundliches Haus“ durch den NABU geehrt werden möchte, kann sich gern an den Harzer Kreisverband, E-Mail: KarsteWR@t-online.de  wenden.