Volksstimme: Frau Becker, wie verbringen Sie heute Ihren letzten Arbeitstag?

Ines Becker: Ganz unspektakulär. In nehme in Magdeburg ein letztes Mal in der Funktion der Verbandsgemeindebürgermeisterin an einer Jubiläums-Veranstaltung des Kommunalen Versorgungsverbandes teil und fahre danach nach Hause.

Volksstimme: Das war‘s dann?

Ines Becker: Ja, das war‘s dann.

Volksstimme: Und wie beginnt morgen Ihr neues Leben?

Ines Becker: Auch nicht aufregend, aber ganz in Familie. Vielleicht werde ich mich mit einer Einladung zum Essen bei all meinen Lieben bedanken, die in den zurückliegenden Jahren an meiner Seite gestanden und mich unterstützt haben. Vielleicht werden meine Enkelkinder zu Besuch sein.

Volksstimme: Sind wir ja schon an der Stelle, um nach dem lachenden und dem weinenden Auge zu fragen. Wen oder was werden Sie in Zukunft vermissen?

Ines Becker: Vermissen werde ich vor allem meine Mitarbeiter in der Verwaltung, in den Kindertagesstätten, in der Stadtwirtschaft. Vermissen werde ich aber auch viele andere, mit denen ich eng und gut zusammengearbeitet habe. Angefangen von Kameradinnen und Kameraden in den Ortsfeuerwehren bis hin zu politischen Vertretern der Verbandsgemeinde und der Mitgliedsgemeinden sowie Amtskollegen, um nur einige zu nennen. In den zurückliegenden Tagen hatte ich Gelegenheiten, mich bei vielen von ihren persönlich zu bedanken und mich von ihnen zu verabschieden. Aber auch die vielen täglichen neuen und interessanten Herausforderungen und die Struktur meines bisherigen Lebens werde ich wohl etwas vermissen, nicht gleich, aber wenn ein bisschen Ruhe eingekehrt ist.

Volksstimme: Und was werden Sie ganz gewiss nicht vermissen?

Ines Becker: Einen ständig vollen Terminkalender zu haben und die Veranstaltungen am Abend. Auch den Ärger, den es gegeben hat. Damit meine ich nicht die konstruktive und gerechtfertigte Kritik an meiner Arbeit oder an der Arbeit der Verwaltung. Eine Verwaltung hat viel zu leisten und da passieren Fehler, die auch wir gemacht haben. Aber da gab es auch ungerechtfertigte, ungerechte und unbegründete Kritik, die mir und meinen Mitarbeitern mitunter zu schaffen gemacht hat. Doch möchte ich das Ganze nicht überbewerten. Denn das wird ganz schnell vergessen sein.

Volksstimme: Apropos bewerten. Welches waren denn die schönsten Ergebnisse und Momente Ihrer siebenjährigen Amtszeit als Verbandsgemeindebürgermeisterin?

Ines Becker: Dazu gehören beispielsweise die zahlreichen Freigaben sanierter Straßen, die Übergaben von neuen Feuerwehrfahrzeugen wie auch Jubiläumsveranstaltungen in den Kindertagesstätten und Ortsfeuerwehren. Und ganz sicher auch der Bau und die Übergabe des neuen Feuerwehrgerätehauses in Kroppenstedt. Gerade der Bau dieses Gerätehauses hatte eine komplizierte Vorgeschichte. Auch zwischendurch hat es immer wieder Fragezeichen gegeben. Am Ende hat aber alles gut geklappt.

Volksstimme: Was wird Ihnen zudem nicht gut in Erinnerung bleiben?

Ines Becker: Das sind die Diskussionen um die Zukunft der Grundschulen, die ja noch nicht beendet sind. Daran, dass die Schülerzahlen für vier Grundschulen nicht ausreichend sind, hat sich nichts geändert. Die Verbandsgemeinde würde gern von der im Koalitionsvertrag eröffneten Möglichkeit der Bildung von Schulverbunden Gebrauch machen. Leider haben wir dazu seitens des Landes während meiner Amtszeit keine Entscheidung mehr bekommen.

Volksstimme: Und was ist mit dem Sitz der Verwaltung?

Ines Becker: Das ist natürlich nach wie vor ein zentrales Problem der Verbandsgemeinde, das Sie da ansprechen. Ein Problem, das ich noch sehr gern in meiner Amtszeit zumindest ansatzweise gelöst hätte. Wie es ja auch geplant war, als wir im Juni 2015 mit der Verwaltung aus dem Gröninger Rathaus in das ehemalige Schulgebäude in der Grabenstraße gezogen sind. Seinerzeit sind wir alle davon ausgegangen, dass wir spätestens im Sommer des vergangenen Jahres in ein Rathaus mit sanierten Fassaden zurückziehen. Der Zustand des Rathauses war schlimmer als befürchtet, es kam anders.

Volksstimme: Was nicht zuletzt innerhalb des Verbandsgemeinderates eine sehr kontroverse Diskussion über die Lösung dieses Problems ausgelöst hat.

Ines Becker: Richtig. Und ich hoffe nicht zuletzt für die Mitarbeiter der Verwaltung, dass eine schnelle und gute Lösung gefunden wird. Denn die Mitarbeiter brauchen gute Arbeitsbedingungen, um ihre Arbeiten zu erledigen. Sind doch in den zurückliegenden Jahren viele Aufgaben hinzugekommen, während Stellen abgebaut worden sind. Wir haben inzwischen einen Stand erreicht, bei dem jeder Mitarbeiter, der ausscheidet, ersetzt werden muss.

Volksstimme: Das ist ja nun Aufgabe Ihres Nachfolgers Fabian Stankewitz, der am morgigen Sonnabend Ihren Posten ganz offiziell übernimmt. Welche Wünsche haben Sie für ihn?

Ines Becker: Zunächst bin ich mir ganz sicher, dass Fabian Stankewitz ein sehr guter Verbandsgemeindebürgermeister sein wird. Ich wünsche ihm viel Erfolg und unter anderem ein gutes Händchen im Umgang mit den Mitarbeitern der Verbandsgemeinde. Zudem wünsche ich ihm eine gute Zusammenarbeit mit den Vertretern des Verbandsgemeinderates sowie mit den Bürgermeistern und den Räten der Mitgliedsgemeinden. Und außerdem wünsche ich ihm einen etwas größeren finanziellen Spielraum, damit erforderliche Veränderungen möglich werden.