Stendal l Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bernhard Brauer gerät wegen seiner Teilnahme an der Demonstration Bürgerbewegung Altmark unter Druck. „Der ist in der Funktion nicht mehr tragbar“, sagte die Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Linke). „Spätestens, als bei der Demo am offenen Mikrophon gehetzt wurde, musste er merken, auf was für einer Veranstaltung er dort gelandet ist“, sagte Kunert, die am Sonntag am Sperlingsbrunnen bei der Demo „Herz statt Hetze“ dabei war. Man habe ihr im Nachhinein zugetragen, was bei der Demonstration der Bürgerbewegung gesprochen wurde.

Kreishandwerkermeister distanziert sich

Brauer hatte sich nicht nur die Redner angehört, sondern schloss sich beim Marsch durch die Innenstadt der Demonstration an, die offen gegen die Asylpolitik der Bundesregierung demonstrierte. „Ich war dort als Privatperson dabei“, sagte Brauer der Volksstimme. Dies habe mit seiner Funktion bei der Kreishandwerkerschaft nichts zu tun.

„Wir tragen das nicht mit“, sagte Kreishandwerksmeister Norbert Nieder aus Kusey. Das Verhalten des Geschäftsführers sei keineswegs autorisiert gewesen. Die Handwerkerschaft wolle damit nicht „in eine Schublade gesteckt“ werden. Es sei eine private Sache des Geschäftsführers gewesen, der nach seiner Information auch keine Handwerkerzeichen getragen habe, so dass seine berufliche Funktion nicht erkennbar war. Man werde bald das Gespräch mit Brauer suchen und den Vorfall intern auswerten. „Wir möchten hören, was er dazu zu sagen hat“, sagte Nieder.

Demos in Stendal

Mit 370 Teilnehmern ist die Bürgerbewegung Altmark am Sonntagnachmittag durch die Stendaler Innenstadt gezogen. Eine Gegendemonstration unter dem Motto "Herz statt Hetze" mobilisierte 500 Menschen.

  • Die Bürgerbewegung Altmark zog mit knapp 350 Teilnehmern durch die Stendaler Innenstadt. Foto: Thomas Pusch

    Die Bürgerbewegung Altmark zog mit knapp 350 Teilnehmern durch die Stendaler Innenstadt. Fot...

  • Auf einem Parkplatz in der Hallstraße musste die Polizei eingreifen. Foto: Volker Langner

    Auf einem Parkplatz in der Hallstraße musste die Polizei eingreifen. Foto: Volker Langner

  • Propst Christoph Hackbeil war einer der Redner, der sich auf der Sperlingsida zu Wort meldete. Foto: Egmar Gebert

    Propst Christoph Hackbeil war einer der Redner, der sich auf der Sperlingsida zu Wort meldete. Fo...

  • Die Gegendemonstranten auf dem Sperlingsberg wurden hinter einer Absperrung von dem Zug der Bürgerbewegung Altmark getrennt. Foto: Bernd-Volker Brahms

    Die Gegendemonstranten auf dem Sperlingsberg wurden hinter einer Absperrung von dem Zug der B...

  • Auch Caroline Sosat, Studentin der Stendaler Fachhochschule meldete sich zu Wort. Foto: Egmar Gebert

    Auch Caroline Sosat, Studentin der Stendaler Fachhochschule meldete sich zu Wort. Foto: Egmar Gebert

  • Auf dem Sperlingsberg sangen die Teilnehmer gemeinsam das Lied

    Auf dem Sperlingsberg sangen die Teilnehmer gemeinsam das Lied "Arschloch" von der Musikgruppe "D...

  • 500 Menschen haben auf dem Sperlingsberg gegen eine Demonstration der Bürgerbewegung Altmark demonstriert. Foto: Tanja Andrys

    500 Menschen haben auf dem Sperlingsberg gegen eine Demonstration der Bürgerbewegung Altmark...

  • In der Stendaler Innenstadt wurden Obsttüten mit bemalten Herzen verteilt. Foto: Tanja Andrys

    In der Stendaler Innenstadt wurden Obsttüten mit bemalten Herzen verteilt. Foto: Tanja Andrys

  • Die Bürgerbewegung Altmark demonstrierte auf dem Stendaler Winckelmann-Platz unter anderem für eine Änderung der Asylpolitik. Foto: Tanja Andrys

    Die Bürgerbewegung Altmark demonstrierte auf dem Stendaler Winckelmann-Platz unter anderem f...

  • Auch Abdul Saeed von der Islamischen Gemeinde Stendal meldete sich zu Wort. Foto: Egmar Gebert.

    Auch Abdul Saeed von der Islamischen Gemeinde Stendal meldete sich zu Wort. Foto: Egmar Gebert.

Nach Angaben von Landrat Carsten Wulfänger (CDU) habe es bei der Demonstration der Bürgerbewegung Altmark keine strafrechtlich zu ahndenden Äußerungen gegeben. „Mir ist dergleichen nicht zugetragen worden“, sagte der Landrat am Montag bei einem Pressegespräch. Der Landkreis war Genehmigungsbehörde für beide Demonstration am Sonntag in der Stendaler Innenstadt. Allerdings habe es bei der Polizei mit ihren Experten gelegen, die Redebeiträge auszuwerten. Die Polizei hatte keine Anzeigen wegen beispielsweise volksverhetzender Beiträge geschrieben, bestätigte Polizeisprecherin Beatrix Mertens aus Magdeburg.

Diskussion um “Stinkefinger“

In den Sozialen Netzwerken war gestern etwas ganz anderes Diskussions-Thema. Ein Foto der Bundestagsabgeordneten Katrin Kunert kursierte, wie sie bei der Demo am Sperlingsberg den „Stinkefinger“ zeigte. Insbesondere bei der Facebook-Seite der Bürgerbewegung gab es heftige und auch beleidigende Äußerungen. „Da ist mir der linke Mittelfinger ausgerutscht“, gibt Kunert zu und nimmt es mit Humor. „Die Gegenseite ist doch nur sauer und fühlt sich angemacht, weil wir so viele Leute auf die Beine bekommen haben“, sagte Kunert. Wohl auch deswegen gebe es heftigere Reaktionen darauf. In der Situation, als sie den Finger gezeigt habe, seien die Teilnehmer der Demonstration der Bürgerbewegung im Anmarsch gewesen und sie habe dabei keineswegs einen aggressiven Gesichtsausdruck gehabt. „Ich bin einfach so emotional, und Leute, die mich kennen, wissen das richtig einzuordnen“, sagte Kunert.

Sie hoffe, dass die Stendaler einen langen Atem haben und sich auch künftig positionieren werden. „Man muss mit weiteren Demos der Gegenseite rechnen“, sagte die Bundestagsabgeordnete.

„Derzeit liegen keine Anmeldungen vor“, sagte Landrat Wulfänger am Montag. Von der Bürgerbewegung Altmark war gestern keine Antwort zu erhalten. In anderen Medien hatten sie weitere Aktivitäten angekündigt.