Wernigerode l Paralympics-Teinahme, reihenweise Podiumsplatzierungen bei internationalen Veranstaltungen und Platz vier im Straßenrennen der Deutschen Meisterschaften für Behindertenradsportler – 2016 war für Thomas Schäfer ein „herausragendes Jahr“. Nun könnte der Wernigeröder Radsportler diese Erfolge krönen: Der Paracycler, von der Nordharzer Radsportgruppe Bad Harzburg ist einer von sechs Kandidaten für den Titel „Niedersachsens Behindertensportler des Jahres“. Abgestimmt werden kann bis zum 8. März auf der Internetseite des Behindertensportverbandes Niedersachsen oder per Wahlkarte im Fahrradgeschäft „Bad Bikes“, Dornbergsweg 28 in Wernigerode.

„Die Auszeichnung wäre eine tolle Bestätigung meiner Leistungen“, sagt der 36-jährige Familienvater. In Rio de Janeiro hat er bei den Paralympics „unvergessliche Momente“ erlebt. Schäfer belegte Platz sieben im Einzelzeitfahren und Rang zwölf im Straßenrennen. „Die Ergebnisse gehen völlig in Ordnung aufgrund der Umstände.“

Als Amateur unter Profis

Der Amateuersportler, der wegen einer angeborenen Fehlbildung am rechten Unterschenkel eine Prothese trägt und links einen Klumpfuß hat, wurde erst kurz vor Beginn der Sommerspiele am Zuckerhut nachnominiert. Im Straßenrennen brach er sich bei einem tragischen Massensturz einen Finger. „Der ist inzwischen beinahe vollständig verheilt, ich habe nur noch leichte Mobilitätsprobleme.“

Der Vater von zwei Kindern ist im Rennalltag meist einer von wenigen Freizeitsportlern unter Profis. „Früh bringe ich meine Tochter in den Kindergarten, dann trainiere ich eine Stunde auf dem Rad, arbeite acht Stunden im Fahrradgeschäft und trainiere abends noch eine Stunde“, berichtete Schäfer über seine Rio-Vorbereitung. Derzeit arbeitet er auf die neue Saison hin. „Ich will wieder so erfolgreich abschneiden wie im vergangenen Jahr. Höhepunkt ist die Straßenweltmeisterschaft in Pietermaritzburg in Südafrika.“

Karrierestart als Mountainbiker

Angefangen mit dem Radsport hat Thomas Schäfer vor 13 Jahren – als Mountainbiker. „In dieser Disziplin kann ich mich immer noch mit europäischen Spitzenfahrern ohne Handicap messen“, sagt der Harzer. Über Tino Käsner, der selbst erfolgreicher Paracycler war, bekam der Wernigeröder Kontakt zum Straßenradsport.

Als Autodidakt war er ohne Trainer mit dem Rennrad unterwegs. Inzwischen folgt er einem straffen von seinem neuen Trainer Joseph Spindler erstellten Tagesplan und trainiert pro Woche etwa zehn bis zwölf Stunden.