Hamburg l Auch für den HSV war es gegen den SCM "noch nie so schwer zu gewinnen", hatte Hamburgs Keeper Jogi Bitter schon im Vorfeld der Partie erklärt. Und er lieferte sogleich in einem Zeitungsinterview dafür die Begründung: "Sie haben einen starken Kader und sind seit Wochen sehr selbstbewusst." Der 32-Jährige, den es vor acht Jahren von der Magdeburger Elbe in den Norden zog, hatte grundsätzlich in allem Recht. Und doch konnte der SCM auch diesmal in Hamburg nicht gewinnen.

Eine Serie wurde also fortgesetzt, eine andere Serie ging zu Ende. Der SCM hat bereits seit dem 10. September 2003 nicht mehr in Hamburg gewonnen, damals war es ein 32:29 - und noch mit Bitter im Tor. Dagegen ist die phänomenale Serie von 13 Pflichtspielsiegen in dieser Saison nun gerissen.

Die Partie begann furios, sie begann mit einem gehaltenen Siebenmeter von SCM-Keeper Jannick Green, seinem zweiten in dieser Saison, sie setzte sich fort mit zwei weiteren Paraden und einer 2:0-Führung für die Gäste nach vier Minuten. Aber nach und nach biss sich der HSV in dieses Spiel hinein, schaffte zum 3:3 den Ausgleich (10.) - und mit Bitter als starkem Rückhalt. Es wurde also eine Schlacht: mit technischen Fehlern, mit ständig wechselnder Führung, ohne spielerische Glanzpunkte. Magdeburg ging letztlich mit einer Angriffsquote von 58 Prozent in die Pause - und mit der 15:14-Führung durch Jure Natek.

Trotz des Tores durch Marko Bezjak zum 14:16 (31.) gehörten die ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte klar dem Gastgeber. Angetrieben von mehr als 7100 Zuschauern gelang der Mannschaft fast alles - und Bitter hielt alles. Beim 20:17 (40.) zog SCM-Coach Sveinsson die grüne Karte, stellte neu auf und ein. Kapitän Fabian van Olphen ackerte nicht mehr allein in der Abwehr, sondern auch im Angriff. Mit Erfolg: Innerhalb von vier Minuten hatte der SCM den Ausgleich geschafft (21:21/44.). Bis zur 57. Minute (30:29) lebte die Partie allein vom Kampf. Aber letztlich hatte der HSV an diesem Abend nicht nur Jogi Bitter mit 15 Paraden, sondern auch Hans Lindberg mit zwölf Toren - und den längeren Atem.

"Wir wussten, dass wir beim HSV eines der schwersten Auswärtsspiele der Saison haben werden. Trotzdem wollten wir in Hamburg den Bock endlich umstoßen", meinte Matthias Musche nach dem Spiel, "das ist uns nicht gelungen. Uns hat im Angriff einfach die Durchschlagskraft gefehlt, dadurch haben wir auch die vielen Gegentore bekommen."

HSV Hamburg: Bitter, Herrmann - Schmidt 2, Schröder, Simicu 4, Flohr 1, Herbst, Toft Hansen 2, Djordjic, Lindberg 12/5, Hanisch 4, Brauer, Mahé 3, Hens, Pfahl 5, Feld
SCM: Green, Quenstedt - Rojewski 2, Musche 2, van Olphen 3, Natek 4, Bagersted 2, Grafenhorst 3, Haaß 1, Bezjak 3, Weber 7/1, Saul, Jurecki 2, Lie Hansen
Schiedsrichter: Fleisch/Rieber (Ostfildern/Nürtingen). Zuschauer: 7144. Siebenmeter: HSV 6/5 - SCM 2/1. Zeitstrafen: HSV 2/SCM 1