London (dpa/mr) I Von der Feier im Morgengrauen nach durchgetanzter oder auch durchzechter Nacht direkt zum Arbeitsplatz - das war einmal. After-Work-Party nach getaner Arbeit - das kann jeder. In London treffen sich jetzt mehr oder weniger Ausgeschlafene schon vor dem Frühstück zum wilden Feiern - und zwar nüchtern. Danach geht`s ins Büro.

Der Bass wummert über der Tanzfläche im Osten Londons. Die Tänzer reißen die Arme in die Luft und johlen. Junge Frauen haben die Augen geschlossen und geben sich dem Rhythmus hin. Über der Themse geht die Sonne auf, die Tower Bridge liegt noch im Nebel.

Wer hier den Tag bei elektronischer Musik begrüßt, hat nicht etwa die ganze Nacht in Clubs durchgetanzt. "Morning Gloryville" heißt die neue Partyreihe, die Großbritannien seit gut einem Jahr im Sturm erobert. Statt Alkohol und Energydrinks gibt es Kaffee und Smoothies.

"Irgendwann wird man 30, hat zu tun, bekommt Kinder, da kann man sich nicht mehr dauernd zudröhnen", weiß Organisatorin Dajana. Da sei Party am Morgen genau das Richtige, findet die 31-Jährige. "Außerdem ist das ein tolles Training, statt morgens zu joggen", fährt Dajana fort. "Probier es, irgendwann fühlst du dich glücklich."

Für dieses Glück stehen die Morgen-Tänzer früh auf und reihen sich um halb sieben schon in die Schlange vor der Clubtür ein. Drinnen erinnert die bunte Deko samt Luftballons an einen Kindergeburtstag. Als Engel verkleidete Helfer verbreiten gute Laune.

"Morning Gloryville" ist inzwischen längst über London herausgewachsen. Unter anderem tanzen Arbeitnehmer in New York, Tokio, Zürich und Paris in den Tag. Im September soll es im indischen Bangalore losgehen. Für Berlin gibt es erste Pläne.