Von Kristina Dunz

Unionspolitiker erzählen den Witz über den Baron aus Bayern mit einer Mischung aus Staunen, Bewunderung und Neid. Er geht so: Verteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg kippt vor einer Haustür eine Mülltüte aus. Der Bewohner kommt herausgelaufen – und bedankt sich bei dem CSU-Politiker. Tags drauf tut es ein anderer Politiker dem Minister gleich. Der Bewohner stürmt heraus und schimpft fürchterlich.

Richtig lachen mochte Guttenberg nicht über den Kalauer mit der Botschaft, er dürfe sich alles erlauben. Er wisse, wie schnell Politiker wieder in Ungnade fallen, betonte er oft. Generell findet er nicht, dass er Mist macht – erst recht nicht mit Absicht.

Mit den Missständen auf dem Schulschiff "Gorch Fock" und der geöffneten Feldpost von Soldaten im Afghanistan-Einsatz hat Guttenberg nun zwei Probleme mit Skandalpotenzial am Hals. Dazu kommen die Informationspannen beim tragischen Tod eines Soldaten in Afghanistan.

Damit muss Guttenberg seine Position als beliebtester Politiker und Polit-Star der Regierung von Kanzlerin Angela Merkel keineswegs verlieren. Dies dürfte aber maßgeblich vom Krisenmanagement des 39-Jährigen abhängen, der das schwierige Amt des Verteidigungsministers erst vor rund 15 Monaten übernommen hat. Dieser Kabinettsposten gilt gemeinhin als Schleudersitz, weil die Möglichkeit von Skandalen bei deutlich über 200000 Soldaten und etwa 3000 Ministeriumsmitarbeitern einfach groß ist.

Die Opposition wirft Guttenberg wegen der schnellen Suspendierung des "Gorch Fock"-Kommandanten nun vor, voreilig und auf Druck der "Bild"-Zeitung gehandelt zu haben. Sie hatte detailliert über den Tod einer jungen Kadettin auf dem Schiff berichtet.

Bei aller Schadenfreude von Mitgliedern der schwarz-gelben Koalition, die den steilen Aufstieg des 39-Jährigen mit gewissem Argwohn betrachten – eine Beschädigung des Ministers wollen sie jetzt nicht. Er könne zwar einen Schuss vor den Bug gebrauchen, hieß es in Parteikreisen in Berlin. Zuletzt war in Teilen von Union und FDP Guttenbergs Afghanistan-Reise mit seiner Frau Stephanie und seine Positionierung gegen Außenminister Guido Westerwelle beim Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan kritisch gesehen worden.

Aber selbst seine internen Kritiker wollen eine Beschädigung des Ministers vermeiden. Dafür ist er für die bevorstehenden Landtagswahlen als Sympathieträger viel zu wichtig. Die Regierung und die schwarz-gelbe Koalition profitieren von Guttenbergs hohem Ansehen bei den Bürgern. So stellte sich Merkel ohne Wenn und Aber gestern erneut hinter ihren Verteidigungsminister, nannte seine Maßnahmen "absolut angemessen" und sicherte ihm weitere Unterstützung zu.

Eine vorsichtige Distanzierung der FDP konnte man allenfalls zwischen den Zeilen herauslesen. "Er hat jetzt die Möglichkeit, zu zeigen, dass er sein Ministerium im Griff hat", sagte FDP-Generalsekretär und Reserveoffizier Christian Lindner. Dass die Vorgänge vor allem durch den Wehrbeauftragten des Bundestags Hellmut Königshaus ans Licht kamen, dürfte wenig mit seiner Parteizugehörigkeit zur FDP zu tun haben. Er würde seinem Amt nicht gerecht, hätte er die Vorfälle nicht zur Sprache gebracht. "Er vertritt die Interessen der Truppe", sagte Lindner schlicht.

CDU-Präsidiumsmitglied Philipp Mißfelder schätzte die Turbulenzen für Guttenberg so ein: "Er wird das am Ende gut überstehen."(dpa)