Allein der Begriff "Multijobber" verniedlicht schon die bittere Tatsache, dass offenbar immer mehr Menschen von einer einzigen Beschäftigung nicht leben können. Es mag ja sein, dass es auch wenige geben mag, die aufgrund unterschiedlicher Interessen gerne verschiedenen Tätigkeiten nachgehen. Doch mit Blick auf die geringen Verdienste in vielen Jobs liegt der Schluss nahe, dass es Multijobbern vor allem auf eines ankommt: die Sicherung ihrer nackten Existenz.

Davor verschließt die Politik jedoch seit Jahren weitgehend die Augen und steht dann ratlos da, wenn immer weniger zum Beispiel eine Familie gründen und Kinder bekommen wollen. Die jüngsten Zahlen über Multijobber sollten für die Große Koalition wenigstens eine Mahnung sein, im Gesetz den Mindestlohn auch für Minijobs vorzusehen. Denn es wäre ein Armutszeugnis, wenn sie darauf wartet, dass der zunehmende Fachkräftemangel die Lohnspirale in Deutschland mal wieder nach oben schraubt.