Da haben die Briten der deutschen Kanzlerin gleich alle verfügbaren roten Teppiche ausgelegt: Merkel bei der Queen, Merkel redet vor Ober- und Unterhaus - was bislang nur zwei deutsche Politiker durften: Willy Brandt und Richard von Weizsäcker.

So sehr viel Ehre entspringt nicht allein britischer Höflichkeit. Vielmehr braucht der konservative Premier David Cameron Merkels starke Stimme in Brüssel für weitere Londoner Extrawürste innerhalb der EU.

Europakritiker Cameron sieht in solcher "Neudefinition" des britischen Verhältnisses zu Europa eine Chance, am Ruder zu bleiben, während die rechte United Kingdom Independent Party immer mehr Wähler um sich schart. Deren Programm heißt ganz klar: EU-Austritt.

Merkels Rede zu Europa wird weder die britische EU-Skepsis mindern, noch die unterschiedlichen Auffassungen über mehr oder weniger Europa aufheben. Höflichkeit hat ihre Grenzen. Rote Teppiche verhelfen eben nicht zum Positionswechsel.