Vergessen, Verdrängen, Verschweigen durch die Täter - dieses Bild prägte die Auschwitz-Prozesse der Vergangenheit. Der aktuelle Lüneburger Prozess vermittelt bereits zu Beginn ein anderes Bild und dürfte - so weit man es jetzt schon beurteilen kann - aus vielen vergleichbaren Prozessen herausragen: Der Mann auf der Anklagebank hat sich mit seinem Tun als Teil der NS-Vernichtungsmaschinerie auseinandergesetzt, wenn er seine moralische Mitschuld in allen Punkten der Anklage eingesteht.

Auch wenn Oskar Gröning nicht so weit geht, dass er von der eigenen individuellen strafrechtlichen Verantwortung spricht, es ist der Versuch, mit der eigenen Schuld umzugehen. Über das Stadium des Verdrängens ist er hinaus.

Für die Auschwitz-Überlebenden, die diese Verhandlung verfolgen, dürfte dieser erste Prozesstag ein kleines Stück Genugtuung sein. Schon allein deswegen war es wichtig, dass es noch 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust zum Prozess gekommen ist.