Wiesbaden/Düsseldorf (dpa) l Der deutsche Biermarkt steht unter strenger Beobachtung: Nach den saftigen Millionenstrafen des Kartellamtes wegen illegaler Preisabsprachen kämpfen die Brauereien in einem schrumpfenden Markt um zunehmend gesundheitsbewusste Kunden. Während Rohstoff- und Energiepreise steigen, sind beim Lebensmitteleinzelhandel höhere Endpreise kaum durchzusetzen. Besonders heikel könnte die Lage für die "Fernseh-Biere" werden.

Handel lockt mit billiger Bierkiste zum Wochenendeinkauf

Seit Jahren gelten 10 Euro vielen Verbrauchern als Preismarke für eine 10-Liter-Kiste, sagt Bier-Experte Niklas Other vom Fachmagazin "Inside Getränke". Der Handel nutzt die billige Kiste bekannter Biermarken gerne als Lockvogel-Angebot für den Wochenendeinkauf. Nach Untersuchungen der Gesellschaft für Konsumforschung gehen zwei Drittel der Bierkästen über Preisaktionen weg. Ob die Brauereien ihre in den vergangenen Monaten erhöhten Preise gegenüber dem Handel tatsächlich durchsetzen können, scheint zumindest fraglich. Mit welch harten Bandagen im Einkauf gearbeitet wird, zeigte zuletzt die Lidl-Kette, die im Konflikt mit dem Getränke-Giganten Coca-Cola selbst die Auslistung der US-Brause nicht scheute.

Die dauerhaft niedrigen Preise sind für Other Beleg dafür, dass Preisabsprachen im deutschen Markt nicht mehr funktionieren. Im Jahr 2008 hatten die Branchenriesen gemeinschaftliche Preiserhöhungen verabredet und bekamen nun vom Bundeskartellamt die Rechnung präsentiert: Die Privatbrauereien Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner und die westfälische Barre haben schon Bußgelder in einer Höhe von 106 Millionen Euro akzeptiert. Für die in der Branche genannten weiteren Beteiligten Radeberger und Carlsberg sollen die Strafen noch höher ausfallen, hat Kartellamtspräsident Andreas Mundt angekündigt. Die Preismauscheleien flogen auf, als die Becks-Mutter Anheuser-Busch Inbev ihr Schweigen brach und als Kronzeugin auftrat.

Vorteile haben einige regionale Anbieter, die mit ausgesprochenen Spezialitäten aufwarten können. Jüngstes Beispiel ist der Erfolg der urbayrischen Sorte "Helles", das sich zunächst in preußischen Szenekneipen und zunehmend im Getränkefachhandel steigender Nachfrage erfreut. "Der Verbraucher will eine größere Auswahl. Für besondere Produkte sind auch höhere Preise durchsetzbar", sagt Experte Other. Die großen Pilsmarken konkurrieren wegen des Preisdrucks im Handel häufig bereits mit den fast gleich teuren regionalen Bieren und laufen Gefahr, ihre "Premium"-Anmutung zu verlieren.

Trotz wachsender Bevölkerung gelingt es den deutschen Brauern schon seit Jahren nicht mehr, ihren Absatz zu steigern. Der wichtigste Grund für die jährlichen Rückgänge von um die zwei Prozent sind in der Bevölkerungsentwicklung zu finden, sagt der Brauer-Bund. Wegen der geringen Geburtenrate gibt es weniger junge Menschen - und die trinken dann vielleicht auch noch weniger Bier, als es ihre Eltern in jungen Jahren getan haben.

Brauer setzen auf die Fußball-Weltmeisterschaft im Juni

So gesehen war 2013 mit seinem nassen, kalten Frühjahr ein ganz normales Bier-Jahr, sagt Veltins-Sprecher Ulrich Biene. Die Demografie macht das Geschäft härter. "Wir schrumpfen mit dem Markt." Einige Hoffnungen setzen die Brauer auf die im Juni anstehende Fußball-Weltmeisterschaft. Die Übertragungen und das gemeinschaftliche Fußballschauen bieten "zusätzliche Konsumanlässe", wie Veltins-Mann Biene sagt. "Wir brauchen dringend solche Impulse. Aber selbst eine gute WM kann nur einen Beitrag zu einem guten Sommer bringen, nicht aber das ganze Jahr retten."