Mainz (dpa) l Vor rund einem Jahr stand Mainz auf dem Abstellgleis. Züge fielen aus, hatten Verspätung oder wurden umgeleitet. Etwa einen Monat lang gab es massive Störungen. Ein Notfahrplan traf Tausende im ganzen Rhein-Main-Gebiet. Pendler und Reisende waren genervt, die Bahn erntete Spott und Kritik.

Der Hauptbahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt war für mehrere Tage praktisch abgekoppelt. Der Grund: weder ein Unglück noch ein Unwetter - etwa die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter war schlicht krank oder in Urlaub. Erst Zug um Zug wurde das Debakel deutlich.

800 neue Fahrdienstleister eingestellt

Die Bahn schien zunächst aus der Spur, sie reagierte erst allmählich. Die Misere offenbarte nicht nur ein Personalproblem, das es nach Ansicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auch anderswo gab. Sie brockte der Deutschen Bahn auch ein Imageproblem ein, denn Mainz war mitten im Sommer bundesweit in den Schlagzeilen.

"Wir haben Konsequenzen gezogen und tun weiterhin alles, um solche Ereignisse zu vermeiden", sagte eine Bahnsprecherin. Im vergangenen Jahr stellte der Konzern nach eigenen Angaben 800 neue Fahrdienstleiter ein, 340 mehr als zunächst geplant. Auch in den ersten sechs Monaten 2014 seien 375 Mitarbeiter in diesem Bereich hinzugekommen. Zudem würden verstärkt junge Menschen ausgebildet sowie Fahrdienstleiter für flexible Einsätze in benachbarten Stellwerken geschult.

Die zusätzlichen 1700 Stellen, die mit Gewerkschaftern nach der Mainzer Misere vereinbart wurden, werde die Bahn erfüllen. In Mainz - dem Ursprung des Debakels - sei die Zahl der Mitarbeiter seit August 2013 auf 22 erhöht worden. Damit sei das Stellwerk personell "sehr gut ausgestattet", heißt es.

Verfehlte Personalpolitik bei der Deutschen Bahn

Bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fällt die Bilanz verhalten aus: Ein Jahr nach dem Stellwerksdebakel in Mainz sind die Personalprobleme der Deutschen Bahn noch nicht gelöst. Von den vereinbarten zusätzlichen Mitarbeitern sei erst rund ein Drittel eingestellt worden, erklärte der Vorsitzende Alexander Kirchner am Freitag in Mainz. An qualifizierten Kräften mangele es im Bahn-Konzern noch überall. Die über Jahrzehnte verfehlte Personalpolitik könne man nicht binnen eines Jahres korrigieren. Dass sich Mainz nicht "irgendwann irgendwo" wiederhole, könne er nicht ausschließen.

Trotz Neueinstellungen gebe es weiter Personalbedarf bei Lokführern, Zugbegleitern, Ingenieuren oder in den Werkstätten.