Burg/Genthin l Mit 26,1 Prozent (Bergling) zu 19,8 Prozent für Burchhardt erwarten Fachleute einen knappen Ausgang der Stichwahl. Am Sonntag hat im Gegensatz zur vorigen Landratswahl 2007 niemand die absolute Mehrheit auf sich vereinen können (Ergebnisse Stand 23.30 Uhr)

Enttäuscht reagierte der drittplatzierte Harry Czeke (16,5) ob der knapp verpassten Stichwahl: "Ganz klar, mindestens Platz zwei war mein Ziel. Aber man muss lernen, auch mit solchen Situationen umzugehen." Überrascht zeigte sich Czeke vom Abschneiden Finzelbergs: "Ich hätte den Amtsinhaber weiter vorn erwartet." Ob es seitens der Linken eine Wahlempfehlung für die Stichwahl geben wird, konnte Czeke gestern noch nicht beantworten: "Dazu wird es Anfang der Woche entsprechende Gespräche geben."

Zufrieden äußerte sich Maik Barthel (Grüne) über sein Ergebnis (5,7 Prozent): "An den Zahlen kann man ablesen, dass es nicht nur Parteigänger waren, die mir ihre Stimme gegeben haben. Nicht nur diese Tatsache macht mich froh, sondern auch, dass es den von vielen angestrebten Wechsel gibt." Was bleibt aus der Zeit des Wahlkampfes? "Es waren sehr anstrengende Wochen."

Nicht äußern wollte sich gestern Einzelbewerber Matthias Rystau.

Gerhard Ritz (Einzelbewerber, 6,9 Prozent): "Der Wähler hat gesprochen und das muss man so hinnehmen. Schon morgen dreht sich die Erde weiter." Die Zeit des Wahlkampfes empfand er als "zwei sehr intensive Wochen." Nicht äußern wollte sich gestern Einzelbewerber Matthias Rystau (4,1 Prozent). Auch Einzelbewerber Edmund Herrmann (3,9) war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Einzelbewerber Werner Krömer aus Genthin jubelte über seine fast 900 Wählerstimmen: "Ich freue mich. Dafür, dass ich im Altkreis Burg kaum bekannt bin, ist dies ein prima Ergebnis. Vor allem bin ich froh, dass es einen Wechsel im Landratsamt gibt."

Nicht zu erreichen war gestern der Amtsinhaber. Lothar Finzelberg ist seit 2001 im Amt, nachdem sein Vorgänger Detlev Lehmann (SPD) ebenso wie er jetzt in juristische Turbulenzen geraten war. Unter anderem ging es seinerzeit um die Ausschreibung der Abfallentsorgung. Lehmann ist später freigesprochen worden, wurde jedoch von seiner Partei nicht zu den Wahlen 2001 nominiert. Statt seiner schaffte es Klaus-Dieter Liebau mit 21,6 Prozent nicht mal in die Stichwahl, die Finzelberg (damals noch mit PDS-Parteibuch) gegen den CDU-Kandidaten Stefan Karnop deutlich mit 61,8 Prozent für sich entschied. Sieben Jahre später setzte sich Finzelberg mit 60 Prozent im ersten Wahlgang durch gegen Armin Friedrichs (SPD, 21,5), Jürgen Michalek (CDU, 14,3) und Einzelbewerber Frank Zielinski (4 Prozent).

Die Wahlbeteiligung war mit 46,1 Prozent in diesem Jahr deutlich höher als bei der vergangenen Landratswahl (36,3). Im Jerichower Land gibt es knapp 80000 Wahlberechtigte. Der Landkreis ist in 104 Wahlbeezirke eingeteilt. Hinzu kommen acht Briefwahlbezirke. Die Wahlbezirke Biederitz, Genthin, Loburg, Rosian und Reesen waren für die Europawahl als repräsentativ ausgewählt worden. Um die Wahl abzusichern, waren hunderte Wahlelfer im Einsatz, bei Kreiswahlleiter Bernhard Braun liefen im Burger Landratsamt alle Infos zusammen. Hier sicherten allein 50 Mitarbeiter die Wahl ab.

Ganz anders als im Kreis fiel das Ergebnis allein in der Stadt Genthin aus: Hier lauetet die Reihenfolge Czeke vor Finzelberg und Berkling.