Der Schützenverein Gommern von 1709 stellte sich am Sonntag in der Ausstellung Rund um den Sport des Heimatvereins Gommern vor. Die Besucher erfuhren viel über die Geschichte des Schützenwesens und die Herausforderungen des Schießsports.

Gommern l Im Landesarchiv Dresden liegt das Original des Erlasses des sächsischen Kurfürsten über die Durchführung eines Scheibenschießens in Gommern durch die örtliche Schützen-Compagnie aus dem Jahr 1709. "Damals ging es um die Wehrtüchtigkeit der Bevölkerung", erklärte Günter Lehmann. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges im Hinterkopf lautete die Frage, wie man so eine kleine Stadt wie Gommern schützen solle. Pulver und Blei habe der Kurfürst bezahlt.

Heute stehen sportliche Veranstaltungen und die Geselligkeit im 1990 neugegründeten Schützenverein im Mittelpunkt, ergänzte Vereinsvorsitzende Beatrice Willert.

Gemeinsam mit Mario Laß, dem 2. Vorsitzenden, stellten Beatrice Willert und Günter Lehmann das Gommeraner Schützenwesen als Freizeitaktivität im Wandel der Zeiten vor. Die Schützen waren am Sonntag zu Gast in der Ausstellung Rund um den Sport des Heimatvereins Gommern.

Der Wettkampfcharakter entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Schützengesellschaften ihre militärische Bedeutung verloren. In Gommern wurde die Schützengilde zum wichtigsten Träger des kulturellen Lebens der Stadt. Mit Kaiser Wilhelm II. und Moritz Mannheimer hatte die Gilde gleich zwei namhafte Ehrenmitglieder.

Eine Zeit lang war es üblich, dass die Frauen sonntags im Café von Martha Müller einkehrten, während die Männer zum Schießen gingen.

Der Erste und Zweite Weltkrieg läuteten den Niedergang des Schützenwesens ein. In der DDR wurde Schießsport in der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) ausgeübt. In Gommern mit großem Erfolg im Jugendbereich. Namen wie Valerius und Dobritz fielen.

Um die 50 Mitglieder zählt der Schützenverein Gommern von 1709 derzeit. Das Bemühen ist da, Jugendliche für den Schießsport zu begeistern. Allerdings sei das schwierig, räumte Mario Laß ein. Das wiederum konnte sich nicht jeder unter den Besuchern vorstellen. In vielen beliebten Computerspielen gehe es doch auch ums Schießen, wurde argumentiert.

In den Schützenvereinen gebe es eindeutige Regelungen, erläuterten die Mitglieder. Die Altersklasse für Kleinkaliber liege bei 14 Jahren. Die Einwilligung der Eltern muss darüber hinaus vorliegen. Erst mit 16 Jahren sind die Jungen und Mädchen freier in ihrer Wahl.

"Es ist ein Sport, der Disziplin erfordert", sagte Mario Laß. Mit Waffen etc. müsse man verantwortungsbewusst umgehen. Da werde im Verein jedem Disziplin beigebracht, ergänzte Günter Lehmann.

Wer sich für Schützenverein oder Schießsport interessiert, ist jeden Sonntag zwischen 10 und 12 Uhr auf dem Vereinsgelände willkommen. Für die Vereinsmitglieder einfacher ist es, wenn man sich vorher telefonisch anmeldet. "Wie in jedem anderen Sport auch, gibt es beim Schießen verschiedene Techniken." Da sei es gut, wenn man sich von jemanden erklären lasse, wie man am besten steht oder liegt.

Denn, auch gegen die Vorstellung sprachen die Schützen an: Schießen ist nicht bequem liegen und mit einem Finger den Abzug betätigen, sondern richtiger Sport. "Davon kann man auch Muskelkater kriegen", erklärte Beatrice Willert. "Man muss sich richtig konzentrieren, man kämpft mit seinem Körper: Die Atemtechnik muss stimmen, der Schweiß läuft einem über das Gesicht", zählte Mario Laß auf. Viel, viel Training sei notwendig, um zu den Besten zu gehören. Zum Kostenfaktor sagte er, dass der Schießsport nicht "ganz günstig sei, aber alles noch machbar".

Das nächste Mal Rund um den Sport heißt es am 7. September. Dann steht die Gymnastik im Mittelpunkt.