Hunderte Gemeindeglieder, Wegbegleiter und Freunde verabschiedeten sich am Sonntag von Gardelegens evangelischem Pfarrer. Nach 26-jähriger Amtszeit in Gardelegen geht Horst Dietmann in die Ruhephase der Altersteilzeit.

Gardelegen l Vor der Tür war kaum ein Parkplatz zu kriegen, und auch in der Marienkirche waren die besten Plätze am Sonntagnachmittag schnell weg. Es war tatsächlich fast so voll wie jedes Jahr am Heiligen Abend. "Und ein bisschen nervös ist er wohl nun doch", schätzte Gemeindekirchenratsfrau Waltraud Robeck am Sonntag kurz vor Gottesdienstbeginn augenzwinkernd den Gemütszustand "ihres" Pfarrers ein: "So was habe ich ja noch nie mitgemacht", habe ihr Dietmann kurz zuvor gestanden. "Klar hat er noch nicht, ist ja auch sein erster Abschied in den Ruhestand", kommentierte Robeck schmunzelnd.

Aber den - inklusive einer schönen letzten Predigt und der Taufe der kleinen Ruby Louise Klein, einer seiner liebsten Dienste - meisterte Gardelegens evangelischer Hirte dann doch sehr souverän. Keiner hatte indes etwas anderes von ihm erwartet. Und sie waren alle gekommen, um sich zu verabschieden: die weltlichen und kirchlichen Weggefährten, Gemeindeglieder und Freunde, Pfarrerkollegen, Kirchenmitarbeiter, Superintendent Matthias Heinrich und Bürgermeister Konrad Fuchs. Vertreter der Partnergemeinde aus dem niederländischen Purmerend hatte der lange Anfahrtsweg nicht abgehalten, und natürlich war auch Dietmanns Familie da.

What a wonderful world zum Abschied

Und ihr, besonders seiner Frau Sabine, "ohne die nichts gegangen wäre, wie es gegangen ist", galt dann auch sein erstes Dankeschön; sein zweites gleich darauf der Gemeinde, dafür "dass ihr so tapfer und geduldig - meist erfreut, wie ich erfahren durfte - zugehört habt." Dankbar, so Dietmann, machten ihn aber auch seine Freunde und die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter "in 32 Jahren Pfarrdienst". Es sei ihm eine Freude gewesen, bei so vielen Gelegenheiten dabei gewesen zu sein.

Eine Freude machte ihm dann auch der Miester Posaunenchor. Der nämlich spielte unter Kantorin Natalia Gvozd- kova - fast wie zum großen Zapfenstreich - den Arm-strong-Song "What a wonderful world". Den hatte sich Dietmann zwar nicht extra gewünscht, "wir wissen aber, dass er ihn mag", verriet die Kantorin. Das Lied beschreibt die Schönheit der Welt und die Glücksmomente im Alltag. Und davon erlebte Dietmann am Sonntag noch viele weitere. In der Nikolaikirche verabschiedeten sich bei Kaffee und Kuchen anschließend mehr als 200 Begleiter nämlich noch einmal ganz persönlich von ihrem Pfarrer.

 

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